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Die Suchmaschine "Google" und der der Papierhersteller "Tempo" haben mehr gemeinsam, als man landläufig annimmt, denn beide haben es in den Alltags-Sprachgebraucht geschafft: "googeln" als Synonym für "Internet-Recherche" ist mindestens genauso bekannt wie ein "Tempo"; ein Taschentuch zum Nase putzen natürlich. Und so bekannt zu werden, das ist nicht leicht.
Die Firma Google wurde 1998 von den damaligen Stanford-Studenten Larry Brin und Brian Page gegründet. Und Googles Aufstieg (der Name "Google" ist ein Anagramm der Bezeichnung "Googol" für eine 1 mit hundert Nullen, also 10100 und soll die schier unbegrenzte Zahl der Suchtreffer symbolisieren) ist eine wahre Proto-Erfolgsgeschichte: von der Frickelbude zweier technikvernarrter Studenten (der erste Google-Server stand im Schlafzimmer von Brian Page) über die heftig umworbene Upstart-Firma (einer der wenigen Überlebenden des Dotcom-Fallouts im Übrigen) hin zum Magnaten der Internet-Industrie. 2004 ging Google an die Börse und gehört heute mit ihren vielfältigen Angeboten zu den absoluten Branchengrößen.

Wie sie das geschafft haben? Na, mit ein bißchen Enthusiasmus, viel Stehvermögen und einer brandneuen Dienstleistung, die alle brauchen; einer Suchmaschine natürlich. Die ist praktisch, denn wenn jemand etwas sucht in den Untiefen des weltweiten Gewebes, braucht er nur bei Google ein oder mehr Stichworte einzugeben; der intelligente Algorythmus spuckt prompt alle möglichen Treffer aus. Das erleichtert die Arbeit mit dem ansonsten doch arg unübersichtlichen Internet (wer hat schon alle Adressen im Kopf?!) ungemein; macht sie gar erst möglich. Und ist insofern zutiefst demokratisch und toll - jedermann hat die gleiche Google-Suchmaske, ob reich oder arm. Und kann sich die gleichen Ergebnisse holen.

Großbildansicht google.jpg (42.5 KB)
© by www.google.com Großbildansicht google.jpg (42.5 KB)
gib' mal "www.google.cn" ein - du landest immer wieder auf google.com oder google.de - oder erhältst diesen Bildschirm - Zensur!
Jedermann? Die Gleichen!? Mitnichten! Denn die Firma Google, Motto "seid gut zueinander", ist in Wahrheit gar nicht so demokratisch! Ganz im Gegenteil: sie filtert in manchen Ländern der Erde! Jaha, ganz richtig gehört: manche Sachen, die man sucht, findet man nicht, wenn man das falsche Google im falschen Land benutzt!! Und dabei haben doch alle Menschen Anrecht auf dieselben Informationen, oder?
Google, mit einer hehren Idee, der Informationsfreiheit, zu Milliarden gekommen, hat seine eigenen Ideale verraten: Um in bestimmten Ländern überhaupt ein lokales Unterportal (Domain www.google.LÄNDERKÜRZEL) neben der üblichen Domain www.google.com anbieten zu können (und damit extra Geld zu verdienen), muss sich Google den dortigen Gesetzen anpassen. Einige Seiten sind "gesperrt", d.h. auf einer sogenannten Blacklist, und werden unter den Treffern nicht angezeigt; einige Suchbegriffe führen immer ins Leere, auch wenn es eigentlich Treffer gäbe.

Google (und alle anderen, weniger wichtigen, weniger moralischen und weniger bekannten Suchmaschinen) tut dies auf staatlichen Druck oder aus vorrauseilendem Gehorsam. Und schaden damit der Pressefreiheit, der Informationsfreiheit, dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung und so weiter und so fort. Und den Menschenrechten natürlich auch!
Denn: wo kommen wir da hin, wenn es für Menschen in verschiedenen Ländern verschiedene Informationen gibt, wenn man nicht mehr selbstbestimmt nach Informationen suchen kann, wenn wichtige Themen einfach ausgeschaltet werden? Das ist der Anfang einer multimedialen D-i-k-t-a-t-u-r! Orwell, Doublethink, 1984!!

Jetzt mag manch ein Schlaumeier, so ein ganz Gewiefter, ankommen und einwenden: "hähä, macht ja nischt, Icke kann ja immer noch direkt uff die unjefilterte www.google.com-Adresse gehn, da seh' ick doch ooch alles, wa?!". Denkste - der Trick ist noch gemeiner: anhand der IP deines im Internet angemeldeten Rechners, die sich nach Land aufschlüsseln lässt, wirst du automatisch auf deine lokale Suchseite von Google zurückgelenkt. Und wenn du im falschen Land, einem Meinungs-Schurkenstaat, wohnst, bist du wieder verratzt!

Das ist alles verdammt fies. Und es geht zur Zeit durch die Presse, wie Google sich mit diesen unfeinen Machenschaften den guten Ruf versaut. "Die Maßstäbe, an denen die Google-Macher heute gemessen werden, haben sie selbst gesetzt.". Da schreien sie, die bundesdeutschen Medienwächter, Salondemokraten und Meschenrechtsdefinierer.

Und, ganz im Gegensatz zum aufgescheuchten deutschen Pressehühnerstall, rede ich hier gerade nicht von Google China, sondern: von Google Deutschland. Denn nichts anderes macht auch www.google.de, ganz genauso wie zum Beispiel auch www.google.cn. Begriffe (von unerwünschten politischen Richtungen bis hin zu sexuellen Perversionen), die gesetzlich nicht erwünscht oder moralisch fragwürdig sind, herausfiltern.

Wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen.

 
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  Kommentar zum Artikel von hw:
Mittwoch, 01.02.2006 - 10:05

Alternativen zu google?
www.A9.com
www.gigablast.com
www.vivissimo.com
www.alltheweb.com


  Kommentar zum Artikel von secarts:
Mittwoch, 01.02.2006 - 12:37

Oder, um sie alle mit einer Klappe zu schlagen:
www.metager.de