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Türkei greift Nordsyrien an
  [1 pic] begonnen von juventud87 am 19.01.2018
  Seite: 12345  
NEUER BEITRAG03.02.2018, 20:20 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
mischa
@retmarut Ich bin ein bißchen dankbar dafür, daß es anscheinend doch noch Genossen in der DKP gibt, die sich jenseits des sterilen Tons der Erklärung positionieren.

Ob die Haltung der DKP ( das Selbstbestimmungsrecht der KurdInnen geringer zu gewichten als das Interesse daran, Syrien gegen den Imperialismus als einheitlichen Staat zu verteidigen) richtig ist, wird die Geschichte zeigen. Aber daß die DKP sich so unemphatisch gegenüber den konkreten Kämpfen der Menschen, die vom türkischen Militarismus, vom IS/DAESH attackiert und von den diversen imperialistischen Mächten verraten werden, geriert - das ist schwer nachvollziehbar.

Jenseits der Frage richtig/falsch entfernt diese Erklärung die DKP von den Menschen, die wegen des türkischen Angriffs auf die Straße gehen. Das ist schlecht.
NEUER BEITRAG03.02.2018, 21:50 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

EDIT: FPeregrin2
03.02.2018, 22:20 Uhr
Communarde
FPeregrin2
Abseits des tatsächlich bestehenden Problems der Vermittelbarkeit dieser Position - man steht da sehr schnell als herzlos und zynisch da - möchte ich mich hier inhaltlich unbedingt für die Richtigkeit des hier von der DKP Erklärten aussprechen: Die kurdische Bewegung hat - wie Toto richtig gesagt hat - im Verlauf des Krieges taktisch meisterhaft zu handeln verstanden. Strategisch aber nicht, da sie die imperialistische Hautstoßrichtung - nämlich die auf die effektive Zerschlagung Syriens - nicht als solche verstanden hat. Zur Illustration, inwiefern hier die eigene Taktik als Strategie mißverstanden wurde, zitiere ich mal Nouri Mahmoud aus dem Post von mischa (27. Januar):
"Wir haben mehrmals verkündet, dass wir – vor allem mit den USA und der Internationalen Koalition (Großbritannien ist auch Teil dieser Internationalen Koalition) – eine Strategie entwickelt haben, dem IS ein Ende zu setzen. Diese strategische Zusammenarbeit begann in Kobanê und wird heute in Deir az-Zor fortgesetzt und wird dort beendet werden [...] Und nachdem wir dem IS ein Ende gesetzt haben, werden wir ein neues Abkommen und eine neue Strategie entwickeln: Wir wollen Stabilität nach Syrien bringen und sichern." Eine anti-imperialistische Strategie kann aber immer nur darin bestehen, den imperialistischen Hauptstoß zu erkennen, zu parieren und in eine eigene Offensive zu wenden. Eine antiimperilistische Strategie kann im konkreten Fall in der Hauptstoßrichtung eben nur auf den Erhalt der Einheit Syreins zielen.

Woher dieses unterentwickelte Verständnis von Strategie und Taktik kommt, vermag ich nicht zu sagen, ... ob aus dem Nationalismus selbst heraus? Die Ersetzung des Marxismus-Leninismus als Leitideologie durch den "Demokratischen Konföderalismus" hat diese Unterentwicklung aber ohne Frage erleichtert.

Wie gesagt, das klingt alles zynisch - und mein Herz sagt auch anderes -, aber Fragen der Strategie & Taktik müssen unbedingt Fragen des Kopfes und nicht des Herzens sein.
NEUER BEITRAG03.02.2018, 22:17 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

EDIT: FPeregrin2
04.02.2018, 14:23 Uhr
Communarde
FPeregrin2
@mischa: "das Selbstbestimmungsrecht der KurdInnen geringer zu gewichten als das Interesse daran, Syrien gegen den Imperialismus als einheitlichen Staat zu verteidigen"

Auch das sehe ich hier nicht. So sicher wie das Recht auf Selbstbestimmung (als Recht auf Lostrennung!) für uns als Kommunisten unverhandelbar gilt, so wenig müssen wir jede konkrete Lostrennungsentscheidung für gut, richtig und unterstützenswert halten, denn die nationale Frage ist gegenüber dem strategischen Ziel der Errichtung einer proletarischen Diktatur als taktische untergeordnet.

Konkret ist zu berücksichtigen: Es wird für Kurdistan unter einer imperialistischen Knute keine Selbstbestimmung, keine Demokratie, keinen Sozialismus geben können. Eine konsistente anti-imperialistische Haltung ist für die Lösung der nationalen Frage in Kurdistan von strategischer - nicht nur taktischer - Relevanz.

Auch wenn man hier wieder murren wird: Es gibt von Stalin aus der Zeit des Bürgerkriegs hier unbedingt Rezeptionswürdiges: Der Oktoberumsturz und die nationale Frage (1918)
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und Die Politik der Sowjetmacht in der nationalen Frage in Rußland (1920)
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Man kann hier kontern, Syrien sei kein Land, in dem eine Diktatur der Arbeiterklasse und eine sozialistische Aufbauperspektive zu verteidigen sei. Das ist verdammt richtig. Aber eine imperialistische Zerstückelungsstrategie gibt es dennoch. Und eine Diktatur der Arbeiterklasse und eine sozialistische Aufbauperspektive wird es auf keinen Fall geben, wenn die imperialisten mit ihrer Strategie durchkommen!
NEUER BEITRAG08.02.2018, 15:14 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
Toto
Über das Selbstbestimmungsrecht der Nationen bitte ich darauf den folgenden Text von Lenin zu berücksichtigen

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Über deutschen und nichtdeutschen Chauvinismus:
"Ein Merkmal des deutschen Chauvinismus ist, daß die "Sozialisten" - Sozialisten in Anführungszeichen - von der Unabhängigkeit anderer Völker reden, nur derer nicht, die von ihrer eigenen Nation unterdrückt werden. Ob man dies nun direkt ausspricht oder ob man diejenigen, die das aussprechen, verteidigt, rechtfertigt und in Schutz nimmt - der Unterschied ist nicht sehr wesentlich."

Oder auch:
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Leitsätze über die Bedingungen der Aufnahme in die Kommunistische Internationale
"In der Frage der Kolonien und der unterdrückten Nationen müssen die Parteien jener Länder, deren Bourgeoisie Kolonien besitzt und andere Nationen unterdrückt, eine besonders klare, eindeutige Stellung einnehmen. Jede Partei, die der III. Internationale anzugehören wünscht, ist verpflichtet, die Machinationen «ihrer» Imperialisten in den Kolonien rücksichtslos zu entlarven, jede Freiheitsbewegung in den Kolonien nicht nur mit Worten, sondern durch Taten zu unterstützen, die Verjagung ihrer eigenen Imperialisten aus diesen Kolonien zu fordern, in den Herzen der Arbeiter ihres Landes wirklich brüderliche Gefühle für die werktätige Bevölkerung der Kolonien und der unterdrückten Nationen zu wecken und unter den Truppen ihres Landes eine systematische Agitation gegen jegliche Unterdrückung der Kolonialvölker zu treiben. "

Die syrischen Kurden wie die in der KCK, Koma Civakên Kurdistan, organisierten Kurden fordern einen demokratischen Konföderalismus, der soweit ich verstanden habe, nicht um Lostrennung und Unabhängigkeit orientiert. Der demokratische Konföderalismus umfasst somit auch Gebiete außerhalb der kurdische Gebiete. Es kann auch beinhalten, dass die syrische Gesellschaft umfasst nach Vorstellung des demokratischen Konföderalismus reformiert werden. Deswegen war die PYD stets Teil ein gesamtsyrische Organisationen wie beispielsweise National Coordination Body for Democratic Change. Die PYD ist nicht die PKK, sondern auch Ergebnis realer Unterdrückung der syrischen Kurden durch den pan-arabischen Nationalismus. Dennoch müssen wir als Kommunisten den demokratischen Könferalismus und den offiziellen KCK-Propaganda eines dritten Weges zwischen Sozialismus/Kommunismus und Kapitalismus, diesen gibt es nicht.

Dennoch sollten wir überall, wo es möglich ist, erstens mit den hier lebenden Kurden als Teil der deutschen Arbeiterklasse solidarisieren. Das bedeutet unbedingt die Aufhebung des PKK-Verbotes, unabhängig von unseren ideologischen Unterschiede. Wir müssen den deutschen Imperialismus als Teil der Aggression gegen Syrien und (syrische, türkische, irakische und iranische) die Kurden benennen und angreifen.

Darum sollten wir bei aller Differenzen politischer und ideologischer Art mit der aktuellen Anti-Afrinkrieg-Bewegung als Kommunisten reinbringen.

Solidarität ist Gebot der Stunde, bei gleichzeitiger Kampf gegen den deutschen Imperialismus.
NEUER BEITRAG14.02.2018, 20:15 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
mischa
Patrik Köbele zu Syrien et al:

"Liebe Genossinnen und Genossen,
hätte es noch eines Beweises bedurft, dass der
angebliche Kampf gegen den IS nicht nur Heuchelei
ist, sondern Teil der kriegstreiberischen Strategie des
US-Imperialismus, so wurde er in den vergangenen
Wochen ganz offen gegeben. Nein, die US-Truppen,
die ohnehin völkerrechtswidrig in Syrien stehen,
werden nicht zurückgezogen, obwohl der IS besiegt
ist. Ganz offen wird erklärt, dass der Zweck der US-
Truppen in der Destabilisierung des sogenannten
Assad-Regimes besteht. Es handelt sich also um
faktische Besetzungen bzw. Kriegshandlungen auf
fremdem Territorium. Ein krasser Bruch des
Völkerrechts. Kein Aufschrei der Medien, der
Spezialisten für Menschrechte, der Regierungen der
EU, der NATO-Partner.

Die Türkei ist nun ganz offen nach Syrien
einmarschiert, mit deutschen Waffen. Ein bißchen
Aufregung in den Medien gab es schon. Aber auch
hier wird nicht von einem Völkerrechtsbruch, von
einem kriegerischen Angriff auf Syrien gesprochen.
Auch die YPG, die davon betroffen ist, merkt, dass
eine Zusammenarbeit mit den USA nur solange
einen Schutz darstellt, solange die Nützlichkeit für
die USA gegeben ist oder eben größer ist als die
Verbundenheit mit dem NATO-Partner Türkei. Das
sich der deutsche Imperialismus zurückhält
verwundert nicht, will man doch die Verhältnisse zu
Erdogan verbessern.

Im Zusammenhang mit dem Einmarsch der Türkei in
Syrien wird spekuliert, dass Russland und die Assad-
Regierung diesen Einmarsch möglicherweise
klammheimlich zulassen oder die Augen schließen.
Für solch eine Spekulation ist uns die Faktenlage zu
dünn, wir werden uns dazu auf Basis der wenigen
Informationen und Spekulationen heute nicht
äußern. Wir weisen aber auf die Fakten hin, dass die
Türkei ein NATO-Land ist, dass die sogenannte Freie
Syrische Armee ein Ziehkind der NATO ist, dass
deutsche Waffen benutzt werden und dass weder die
Führungsmacht der NATO, die USA, die mit der YPG
verbündet ist, noch das NATO-Land Deutschland
mehr als eine Protestresolution gegen diesen
Einmarsch zu Stande bringen. Stopp, ich vergaß,
Außenminister Gabriel gibt jetzt den „Harten“, eine
Nachrüstung der deutschen Panzer soll es
momentan nicht geben.

Es geht ihnen nach wie vor um einen Regime-
Change in Syrien. Assad war und ist nicht bereit,
sich bedingungslos den Interessen des
Imperialismus unterzuordnen und Syrien, das ist der
Weg zum Iran und das ist der Weg zur Umzingelung
Russlands und der VR China. Dies ist die
gemeinsame, strategische Hauptorientierung der
führenden imperialistischen Länder und ihrer NATO
und das ist die Hauptkriegsgefahr.

Es ist sehr hoch einzuschätzen, dass diese Analyse
im Wesentlichen auch von den Kräften der
Friedensbewegung in unserem Land geteilt wird.
Versuche die Friedensbewegung inhaltlich zu
neutralisieren, sie in eine Haltung der Äquidistanz zu
führen, sind gescheitert – es gab und gibt sie
manchmal von rechts, manchmal als „links“
verkleidet."

12.Tagung des Parteivorstandes
27./28. Januar 2018
Essen
NEUER BEITRAG16.02.2018, 22:27 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
FPeregrin2
In der aktuellen Ausgabe der UZ steht folgender Leserbrief von Toto Lyna zur DKP-Erklärung vom 2. Februar:

Gegen den deutschen Imperialismus

Trotz der richtigen Analyse der Verhältnisse in Syrien muss die Erklärung kritisiert werden. Das Sekretariat hätte in seiner Erklärung eine wesentliche Aufgabe erfüllen und die Antikriegsbewegung auf einen Stoß gegen den Hauptfeind orientieren müssen. Die Rolle des deutschen Imperialismus in der Unterdrückung der kurdischen Nationalbewegung ist seit vielen Jahren bekannt. Seit Jahrzehnten werden die Kurden in der Türkei und in der Region mit deutschen Waffen massakriert. Seit Jahrzehnten wird die größte und relevanteste Partei der in Deutschland lebenden Kurden verboten. Der deutsche Imperialismus ist führend an der Aggression gegen Syrien beteiligt. Deutschland forciert in der EU gegen den Willen einzelner EU-Mitglieder die antisyrischen Wirtschaftssanktionen. Deutschland bot mit dem Projekt „The day after“ den Boden für eine Beteiligung von Islamisten an antisyrischen Aktivitäten. Deutschland liefert Informationen des BND an Islamisten. Die Bundeswehr beteiligt sich am völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz über syrischem Territorium und vieles mehr. Kurz gesagt, an den antikurdischen und antisyrischen Aggressionen ist Deutschland beteiligt.

Eine Orientierung auf den Hauptfeind ist keine Phrase, sondern bietet konkrete Ansatzpunkte, um die Arbeiterbewegung für die Friedensbewegung zu gewinnen. So wird in Teilen der Antikriegsbewegung die Idee eines Türkeiboykotts verbreitet, da die Türkei als Staat in Deutschland angefeindet wird. Stattdessen müssen wir zum Angriff auf deutsche Rüstungsmonopole wie Krauss-Maffei-Wegmann oder Heckler und Koch orientieren. Eine solche Orientierung auf deutsche Rüstungsmonopole kann ein Anknüpfungspunkt sein, um auch Gewerkschaften einzubinden und die Frage der Rüstungsvorhaben der Bundesregierung und der geplanten bzw. beschlossenen Erhöhung des Rüstungsetats auf Kosten sozialer Ausgaben in der Vordergrund zu rücken. Eine solche Orientierung könnte der Spaltung der Arbeiterklasse und der antitürkischen Hetze des deutschen Imperialismus entgegentreten. Es ist unsere Aufgabe als DKP, die berechtigte Empörung und Wut in eine Handlungsorientierung gegen den deutschen Imperialismus umzuwandeln.


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Wäre die richtige Korrektur an der praktischen Lücke der Sekretariats-Erklärung!
NEUER BEITRAG19.02.2018, 11:48 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
juventud87
Die syrische Armee soll die YPG nun gegen die Türkei unterstützen, innerhalb von drei Tagen könnten syrische Soldaten an der Grenze zur Türkei stationiert werden, heißt es!

"Die kurdische Miliz YPG hat sich offenbar mit den Regierungsgruppen verbündet, um im Norden Syriens gegen die türkische Armee zu kämpfen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf den hochrangigen Kurdenvertreter Badran Jia Kurd. Demnach handelt es sich um eine rein militärische Vereinbarung. Die Truppen von Syriens Machthaber Al-Assad sollen innerhalb von zwei Tagen in der Region Afrin an die Grenze zur Türkei verlegt werden.

Die Angaben wurden von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana und im syrischen Staatsfernsehen bestätigt. Der syrischen Regierung nahestehende Kräfte stünden kurz vor einem Einmarsch in Afrin, hieß es. Der Schritt würde "innerhalb von Stunden" erfolgen. Weitere Details wurden nicht genannt.

Das Bündnis wendet sich demnach gemeinsam gegen die türkische Offensive in Afrin, wo die Türkei im Januar begonnen hatte, die YPG-Miliz anzugreifen, um sie von dort vertreiben. Die Türkei betrachtet die kurdischen Kämpfer als Terroristen und Ableger kurdischer Rebellen in der Türkei. Sowohl die Kurden als auch die syrische Führung wollen dagegen verhindern, dass die Türkei ihren Einflussbereich ausdehnt...."


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NEUER BEITRAG19.02.2018, 20:28 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
mischa
Zum gleichen Thema die tagesschau:
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NEUER BEITRAG20.02.2018, 08:01 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
mischa
angeblich kurdisches Dementi: "According to the spokesperson for the YPG in Afrin, Brusk Hasake, the Syrian Arab Army (SAA) will not enter the Afrin region, adding that there is no current agreement with the government in Damascus."

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NEUER BEITRAG20.02.2018, 22:28 Uhr
Türkei greift Nordsyrien an

Communarde
retmarut
Offenbar weiterhin Desinformationspolitik auf allen Seiten, was man militärtaktisch durchaus verstehen kann.

Offenbar gibt es im Lager der Kräfte um die YPG und SDF unterschiedliche Haltungen zum Einrücken der syrischen Truppen. Das macht die Sache noch unübersichtlicher. Man traut sich scheinbar weiterhin nicht ganz über den Weg.

In der Zwischenzeit scheint die türkische Armee die syrischen Truppen durch gezielte Angriffe vom Betreten der Region abhalten zu wollen.
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