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Männer sind! Und Frauen auch!
  XML • begonnen von secarts am 22.02.2007
     
22.02.2007, 14:46 Uhr
Communarde
secarts
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Diskussion zum Artikel:
Männer sind! Und Frauen auch!
Schmankerl aus der E-Mail-Korrespondenz - Vol. III

von secarts (22.02.2007)
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Wir bekommen viele Beschwerden. Manchmal sind's Lappalien, manchmal hingegen durchaus bedenkenswerte Einsprüche: zu Kategorie eins gehört zum Beispiel die Klage über die "augenunfreundliche Hintergrundfarbe", die "das Lesen anstrengend mache" oder auch die "mickrige Textgröße bei den Artikeln" - der Beschwerdeführer übersah anscheinend schlicht die Zoom-In- und Zoom-Out-Buttons über jedem Artikel, die den Text notfalls auch auf zwei Wörter pro Ze... [ ...mehr lesen?]
22.02.2007, 18:37 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
Alex
×
Jawoll, dieser Blödsinn geht dermaßen an der Sache vorbei, dass zumindest ich auch sehr gut ohne leben kann. Oder fühlt sich eine der hiesigen weiblichen XX-geborenen Leserinnen allen Ernstes diskriminiert, weil wir ihr hier nicht die political-correct-mäßigen Buchstaben und Bytes unserer Server zum Opfer bringen???

Wo soll das hinführen? Kann man, 'tschuldige, mensch nicht auch als Frau Kommunist [sic???] sein? Kommunisten vs Kommunistinnen? Das klingt nach (Haar-)Spalterei. Und wer sagt denn, dass wir immer nur Nettes schreiben? Wollen - mal weit hergeholt - die Faschistinnen allen Ernstes in unseren Texten explizit mit vorgeführt werden?

Wenn sich Frauen an sowas stoßen und sich von unseren Texten und explizit dem generischen Maskulinum diskriminiert fühlen, dann gehören sie einfach nicht hierher!
22.02.2007, 19:07 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
Stephan
es ist sicherlich unbestritten, daß Frauen auch in der Linken einen schwereren Stand haben, auch weil sich viel auf eingespielte Rollenverhältnisse gründet. Eine unauffällig angelegte Strichliste, wie viel Redebeiträge auf einer größeren Diskussion jeweils von Männern und Frauen stammen, fördert oft die Unterrepräsentiertheit weiblicher Beiträge zu Tage.

Daraus den Umkehrschluß zu ziehen, ein Frauenerstrederecht o.ä, sei daher automatisch eine Verwässerung der Diskussion, ist folglich unfair, umgekehrt ist es, die bestehenden Verhältnisse drücken das Diskussionsniveau (zumindest wenn man von geschlechterunabhängiger Intelligenzverteilung ausgeht). Natürlich ist dann auch das Frauenerstrederecht ein deutlicher Schritt zuviel, denn während die Männer auf ihre Wortmeldung warten müssen (und dabei weiter nachdenken), können Frauen sofort in die Runde quaken - ähnlich oder noch extremer wäre es, abwechselnd Männlein und Weiblein zu Wort kommen zu lassen, sollten dann auf einmal vier bspw. Männer auf der Rednerliste (die dann eben nicht RednerInnenliste heißt) stehen. Das Kaffeefahrtgefühl (wenn hier nicht mal endlich wer was kauft, sitzen wir hier bis Mitternacht) wird dann äquivalent sein dem Druck auf den Frauen, endlich mal irgendetwas zu sagen, damit wieder ein Mann zu Worte kommt.

Eine Lösung gibt es nicht, wie auch hat secarts doch recht überzeugend dargelegt, daß diese Problematik von den bestehenden Verhältnissen aufoktroyiert sind. Trotzdem ist die Reaktion "Ist doch ein Nebenwiderspruch" mit dem unausgesprochenen "bloß" vielleicht ein wenig zu mickrig, gerade wenn man selbst nicht auf der Looserseite steht. Im Vergleich dazu halte ich das Problem der Anglizismen in der deutschen Sprache (mit dem ekligen Beigeschmack des Nationaltümelns) für relativ irrelevant, auch wenn es mich angesichts zumeist in der Werbung und in der Bundesbahn verwandten Konstruktionen graust.

Man muß akzeptieren, daß es dieses Problem gibt, man muß Bewußtsein dafür schaffen, daß es sich auch in der Sprache niedergeschagen hat und man solle den Willen zeigen, daß man es ändern will. Dieses leistet das ´Binnen-I, welches ich persönlich als angenehmste Lösung, weil am wenigsten entstellend empfinde. Aber mit political Correctness ist es wie mit dem Salzstreuer: Im Übermaß eingesetzt wird's ungenießbar. So sollte man schon einmal in seine Texte einfließen lassen, daß man von der Existenz des schönen Geschlechts nicht nur etwas weiß, sondern es auch bereit ist, in seine Begrifflichkeiten einfließen zu lassen, jeden Ausdruck hingegen möglichst umfassend auszuformulieren, ist Kappes. In den USA ist als Begriff "Herstory" entstanden, weil der englische Ausdruck für Geschichte zu männlich wirkt. Wir könnten natürlich diesen sehr ichbezogenen Ausdruck in Geschdute, Gescher/sie/este oder Geschwirte umkrempeln, um klarzumachen, daß unsere Person vor den Ereignissen des Weltzeitlaufes zurücktreten mag.

Fazit: Mal ein großes I im Wort schadet wenig, bringt die Weltrevolution zwar nicht vorwärts, desavouiert sie allerdings auch nicht und könnte auch unter secarts.org ein Plätzchen finden. Natürlich nicht im Sportteil ;-)
22.02.2007, 19:22 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
secarts
forget it, Stephan ;-)
(...um gleich mal einen schönen Anglizismus unterzubringen, mit dem ich übrigens ebenfalls keinerlei Probleme habe!)

Der TAZ-"Rechtschreibung" schließen wir uns definitiv nicht an. Und deine Beobachtungen bezüglich des (deiner Meinung nach) normalen Verhaltens der (deiner Meinung nach) überwiegend männlichen Teilnehmer auf unseren Veranstaltungen und in unseren Diskussion kann ich mich nun wirklich nicht anschließen: ohne jetzt - aus verschiedenen Gründen - hier öffentlich nachzurechnen und aufzuzählen, habe ich noch nirgendwo so argumentativ starke Frauen - die so wie es sein muss, nämlich: völlig selbstverständlich! - das Wort ergreifen, erlebt wie bei den Kommunisten. Dass es auch bei uns mehr Frauen sein müssten, ist 'ne andere Geschichte und hat wieder mit tradierten Geschlechterrollen, nicht aber mit fehlenden Quoten oder mit fehlendem etabliertem Blödsprech zu tun.

Wie gesagt: geschlechtliche Ungleichheiten sind Bestandteil dieser Gesellschaft und dementsprechend - logischer Weise! - auch in unseren Reihen anzufinden. Uns von der kleinbürgerlichen Frauenbewegung nun aber Sprach- und Quotenregelungen aufzwingen zu lassen geht meilenweit am Notwendigen vorbei. Fakt ist: nirgendwo ist die Gleichberechtigung auch nur ansatzweise so weit entwickelt wie bei uns. Darauf sollen wir uns zwar nicht ausruhen, viel mehr wird aber unter kapitalistischen Bedingungen kaum rauszuholen sein. Genau das besagt ja das von dir injurierte Wörtchen "Nebenwiderspruch": er lässt sich singulär eben nicht lösen, und wenn, dann immer nur sehr temporär - mit vorprogrammiertem Rückfall...

...und wer nun ankäme und sagen würde, "eigentlich müssten die Frauen jetzt mal was dazu sagen", hätte vom Thema rein gar nix verstanden. Erkämpfung der Gleichberechtigung der Frau ist eben keine "Frauenangelegenheit" (resp. Aufgabe der , ich klaue mal deinen Begriff: "Loserseite"), sondern Aufgabe des - geschlechtlich bekanntlich gemischten - Kollektivs.
23.02.2007, 08:20 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
Andrea Schoen
GAST
Was geht denn hier ab? Unsere besten Genossen (m) fuehren eine umstaendliche Diskussion um ein Thema, das laengst ausgelutscht ist oder zumindest schien ... tsts, Maenner! ;-)
Wissen wir nicht spaetestens seit Josef S., dass wir, igigigitt, sogar mit unserem Klassenfeind die gleiche Sprache teilen ... und dass diese daher - selbst wenn wir uns eigene Begrifflichkeiten schaffen - beliebig benutzt und scheinbar eindeutige Begriffe jederzeit umgedeutet werden koennen (ausgenommen von Fachbegriffen, bei denen sich lediglich kleine "Eliten" um Deutungen streiten)? Wir koennen diese (Alltags-)Sprache also unmoeglich bereinigen - weder nach Klassen- noch nach Geschlechtsmerkmalen.
(Der klassische "Neben-Widerspruch" tut hier also rein gar nix zur Sache, da der "Haupt-Widerspruch" hier im Medium Sprache selbst liegt, capisci?)
Es bleibt uns folglich nichts anderes uebrig, als unsere Gedanken in das syntagmatische (Satzbau) und paradigmatische (Worte/Begriffe) Schema zu uebertragen, das uns die - in unserem Falle deutsche - Sprache vorgibt.
Alles andere ist Bullshit, sorry!

P.S. Maedels, lasst uns doch auf die Inhalte konzentrieren! Sprachliche Zieseleien stoeren nur die Informationsverarbeitung. Mir jedenfalls geht das so ...
23.02.2007, 15:19 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
secarts
liebe Gin. Andrea, du hast natürlich vollkommen recht!

...nun stammen aber die beiden zitierten Schriebs (und die weiteren, nicht zitierten Beschwerden, die in die gleiche Richtung gingen) m. E. von kleinbürgerlich-demokratischen Bündnispartnern, also von einem progressiven, nicht aber marxistischen Standpunkt - und so habe ich versucht, sie auch für Nicht-Marxisten verständlich zu erwidern (ob mir das gelungen ist, sei anheimgestellt).

Wer nun vom marxistischen Standpunkt an diese Frage herangehen will, dem sei folgende Schrift DER MARXISMUS UND DIE FRAGEN DER SPRACHWISSENSCHAFT Link ...jetzt anmelden!, auf die du anspielst, von J. W. Stalin empfohlen. Das hätte ich in der Tat erwähnen sollen, danke für den Hinweis!
23.02.2007, 15:25 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
paulina
muß ich jetzt als Frau auch meinen Senf dazugeben? ich machs mal kurz: dieser "Innen"-Schmarrn geht mir voll auf die Nerven bzw. am Arsch vorbei, und ob ich auf ner Diskussion was sagen will oder nicht, entscheide ich immer noch selber, egal, ob sich irgendeine Quotenschnatze darüber aufregt oder nicht.
Fertig!
24.02.2007, 11:19 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
Andrea
GAST
Bravo, Paulina - endlich 'mal eine emanzipierte Frau!
Dass man mit Begriffsbildung die Realitaet (und ihre Wahrnehmung)
nicht aendern kann (sondern nur mit Gedanken, in brauchbare Begriffe
gegossen), zeigt ja auch das schmerzlich-skurrile Begriffbildungsverhalten
der DDR. Da hiessen Warteschlangen vor Kauflaeden "sozialistische
Wartegemeinschaften" und Weihnachtsengel "Jahresendfiguren" etc.
Das hat zur Bewusstseinsbildung so viel beigetragen, dass sich die
Bevoelkerung vor allem darueber lustig gemacht hat ...
24.02.2007, 12:36 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

Communarde
Stephan
bist Du sicher, daß es sich bei dem Ausdruck "sozialistische Wartegemeinschaft" um einen offiziiellen Ausdruck handelt?

Wiglaf Droste hat mal die Frauenbewegung verglichen mit Leuten, die unter Zahnschmerzen leiden. Diese seien nur zu dem Gedanken "Zahnschmerz, Zahnschmerz" beschäftigt, jene "Frauen, Frauen". Wenn jemand/jefraud meine Artikel/Kommentare etc. nicht liest, weil nicht immer, stets und überall beide Geschlechter auch grammatikalisch erwähnt sind, soll er/sie es lassen. Zuweilen jedoch die weibliche Form explizit mitzuerweähnen, kann allerdings auch nützlich sein, im letzten Satz beispielsweise hätte ein isoliertes "sie" etwas denunzieatorisches, ein bloßes "er" etwas verwirrendes.

Tiefer hängen!
07.03.2007, 10:01 Uhr
Re: Männer sind! Und Frauen auch!

EDIT: Ivan
07.03.2007, 22:38 Uhr
Communarde
Ivan
Quotenschnatze ist doch mal eine feministische Wortschöpfung, wenn auch der bayerische Einfluss -rein linguistisch natürlich-nicht zu leugnen ist.
Was mir Mut macht: siegreiche Revolutionen gab es nur in Ländern (auch) ohne integrierte Schreibweise; Clara Zetkin, eine hervorragende Aktivistin der proletarischen Frauenbewegung, (Einführung des Internationalen Frauentages!) hat an diese Schreibweise nicht einmal gedacht.
Was mir Angst macht: Seit der Durchsetzung des großen I im Wort (wo wir mit dem Großschreibefimmel sowieso schon immer international belächelt werden) ist zumindest für mich eine Linksentwicklung in Deutschland nicht erkennbar.
Und: ich stelle mir dieses Frühstücksgespräch in meiner Küche vor. Muss ich die Rechtschreibregeln dann auch mündlich beachten? Sonst Chauvikasse? Auch für Frauen?
Na ja, immerhin; den Abwasch übernimmt bei mir nicht Stephan, sondern die Spülmaschine.
Wenn das kein Fortschritt ist!?
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