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NEUES THEMA24.01.2022, 19:21 Uhr
EDIT: arktika
24.01.2022, 19:25 Uhr
Nutzer / in
arktika

• Schweden ... und migrantische Ausbeutung Immer wieder die gleiche Scheiße, die gleichen Branchen ..., und auch das Verhalten der Gewerkschaften kommt einem aus der BRD bekannt vor: Schweden, das ehemalige Musterländle vieler sich "links" Fühlender!

Dazu ein Interview von Gabriel Kuhn in der heutigen jW mit Pamela Otarola (Stockholmer Krankenpflegerin u. in der syndikalistischen Gewerkschaft SAC aktiv):

»Es ist ein weitverbreitetes Phänomen«
Schweden: »Putzgate«-Affäre macht Schlagzeilen. Besondere Ausbeutung von migrantischen Arbeitskräften gang und gäbe. Ein Gespräch mit Pamela Otarola


Die schwedischen Zeitungen sind voll mit Berichten zur sogenannten Putzgate-Affäre. Was ist vorgefallen?

Ende Dezember wurden zwei Reinigungskräfte zum Wohnhaus der schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson geschickt, um dort sauberzumachen. Sie nahmen die falsche Türe, ein Alarm ging los, und kurze Zeit später waren sie von Polizisten mit Waffen im Anschlag umringt.

Ein Missverständnis, das sich auflöste?

Ja, aber es stellte sich heraus, dass eine der beiden Frauen eine undokumentierte Migrantin aus Nicaragua war. Das wurde als Sicherheitsskandal hingestellt: »Wie kann eine Kriminelle Zugang zum Wohnhaus der Ministerpräsidentin erhalten?!« Der eigentliche Skandal ist freilich, dass dieses Haus mit Hilfe ausgebeuteter migrantischer Arbeitskräfte saubergemacht wird. Das ist alles andere als eine Ausnahme. Abertausende Menschen arbeiten in Schweden 70 Stunden in der Woche bei einem Stundenlohn von sieben Euro, ohne jede Absicherung. Wirst du krank, hast du Pech gehabt. So sieht die Realität aus.

Das entspricht nicht dem Bild, das viele Menschen von Schweden haben.

Dann ist es an der Zeit, dieses Bild auf den neuesten Stand zu bringen.

Was sagt Andersson zu der Sache?

Nichts. Ihre Pressesprecher veröffentlichten eine Erklärung, in der sie das Übliche feilboten: Man hätte der Reinigungsfirma vertraut und könne nicht jede Firma überprüfen. Doch letzten Endes geht es nicht um die Firmen. Es sind die Politiker, die den unregulierten Arbeitsmarkt ermöglichen. Nur weil eine Firma Tarifverträge unterzeichnet, heißt das noch lange nicht, dass sie diese auch einhält. Die Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte, vor allem undokumentierter, ist ein weitverbreitetes Phänomen in Schweden. Auch bei den angesehensten Unternehmen ist das gang und gäbe. So verdienen sie ihr Geld.

Gilt das in allen Branchen?

Vor allem bei Reinigungsfirmen, in der Gastronomie und am Bau.

Und was tun die Gewerkschaften dagegen?

Die großen Gewerkschaften gar nichts, vor allem, wenn es um un­dokumentierte Arbeitskräfte geht. Diesen ist die Mitgliedschaft verwehrt.

Bei der SAC, in der Sie aktiv sind, ist das nicht so?

Wir nehmen alle auf. Und da wir die einzigen sind, ist die Arbeitsbelastung hoch. Jede Woche gehen viele ehrenamtlichen Stunden in die Unterstützung undokumentierter Arbeitskräfte und ihrer Anliegen. Selbst im Urlaub vergeht kein Tag ohne Textnachricht eines Mitglieds, das Hilfe braucht. Es geht dabei nicht nur um undokumentierte Arbeitskräfte. Auch Migranten, die eine Arbeitserlaubnis haben, werden ausgebeutet und brauchen Unterstützung. Wir bieten Rechtsberatung in mehr als zehn Sprachen an, helfen beim Aufbau von Betriebsgruppen und stehen Leuten zur Seite, die ausstehende Löhne einfordern. Oft handelt es sich dabei um hohe Beträge. Insgesamt haben wir für unsere Mitglieder mehrere Millionen Kronen an ausstehenden Löhnen eingetrieben. Die Ausbeutung ist enorm.

Die vor dem Haus der Ministerpräsidentin festgenommene Reinigungskraft ist ebenfalls Mitglied Ihrer Gewerkschaft?

Ja. Auch sie unterstützen wir gerade dabei, ausstehende Löhne einzufordern. Außerdem läuft ein Verfahren wegen Menschenhandels gegen die Reinigungsfirma, die sie zum Haus der Ministerpräsidentin geschickt hatte.

Die Frau befindet sich seit ihrer Festnahme in Abschiebehaft?

Das ist richtig. Wenn das Gericht entscheidet, ihre Klagen weiterzuverfolgen, wird sie zumindest für die Dauer der Verfahren auf freien Fuß gesetzt. Ansonsten wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach abgeschoben.

Hat der Fall die Augen von Menschen geöffnet für das, was in Schweden als »Schattengesellschaft« bezeichnet wird: Personen, die außerhalb des Systems leben und arbeiten?

Zu einem gewissen Grad ja. Aber es ist bedauerlich, dass es dazu eines Ereignisses am Haus der Ministerpräsidentin bedarf, das zum Skandal hochgebauscht wird. Die Zustände, über die wir hier reden, prägen die schwedische Gesellschaft schon seit Jahren. Passiert ist bisher auf offizieller Ebene nichts. Ob sich das jetzt ändern wird, bleibt abzuwarten.


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#Schweden
#Ausbeutung
#migrantischeAusbeutung
#Gewerkschaften

In diesem Zusammenhang ist auch noch der Thread Schweden: Asylrecht mit Ablaufdatum? - auch in diesem Forum - lesenswert ( Link ...jetzt anmelden! )
NEUER BEITRAG24.01.2022, 19:44 Uhr
Nutzer / in
arktika

Vielleicht noch sinnvoll zu ergänzen:

- Das Verhältnis von SAC u. den anderen Gewerkschaften ist ähnlich - ging ja aus dem Interview schon hervor - wie von FAU u. den DGB-Gewerkschaften.

- Zur SAC selber:
Sveriges arbetares centralorganisation (SAC), även kallad SAC Syndikalisterna, är en landsomfattande paraplyorganisation för ett tjugotal lokala syndikalistiska fackföreningar (Lokala Samorganisationer, förkortat LS) som år 2021 tillsammans hade strax under 3 000 medlemmar.[1] De lokala samorganisationerna – för vilka SAC fungerar som facklig centralorganisation – är självbestämmande ekonomiska kamporganisationer som organiserar alla arbetare inom sitt geografiska verksamhetsområde, inklusive migrantarbetare, papperslösa och interner på fängelser, liksom även arbetslösa, studenter och pensionärer.[2]

Det långsiktiga målet är att förverkliga den frihetliga socialismen, det vill säga ett samhälle utan klasser och hierarkier, där produktionsmedlen ägs gemensamt och förvaltas av arbetarna, vilket innebär avskaffandet av kapitalism, lönearbete och sexism. Organisationen har därmed beslutat sig för att vara antisexistisk, antimilitaristisk och som första fackförening i Sverige även feministisk (1998). Kortsiktiga mål är höjda löner, säkrare anställningar och bättre arbetsmiljö.

usw. usf.

Aus der schwedischsprachigen Tante Wiki
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Also organisiert alle ArbeiterInnen in ihrem geogr. Gebiet, also auch MigrantInnen, 'sans papiers', Knackis, Erwerbslose, Studies u. RentnerInnen. Ist antisexistisch, antimilitaristisch u. als erste schwed. Gewerkschaft seit 1998 auch feministisch. Kurzfristige Ziele sind erhöhte Löne, sicherere Anstellungen u. bessere Arbeitsbedingungen.

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Wer etwas Schwedisch kann u. sich dafür interessiert. In dem Artikel über Gewerkschaft findet sich eine schöne Streikauflistung. smiley
NEUER BEITRAG25.01.2022, 22:00 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Schweden ... und migrantische Ausbeutung Es muß aber - insbesondere im Vergleich mit Deutschland - dringend hinzugefügt werden, daß es in Schweden eine - sonst eher für romanische Länder typische - starke und kontinuierliche anarchosyndikalistische Tradition gibt. Der schwedische Wikipedia-Artikel wurde schon verlinkt. Anbei auch ein Artikel von Gabriel Kuhn aus Direkte Aktion Nr. 211, Mai/Juni 2012:
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