DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
 
NEUES THEMA05.10.2021, 00:52 Uhr
EDIT: FPeregrin
05.10.2021, 02:03 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

• Zur Pseudo-Verwissenschaftlichung des Antikommunismus Der Drecks-VS bemüht sich um eine "Verwissenschaftlichung" seines strukturellen Antikommunismus. jW hierzu heute:

»Man will ihnen Signum der Wissenschaftlichkeit verleihen«

Befunde des Verfassungsschutzes sollen durch externe Expertise aufgewertet werden. Ein Gespräch mit Dieter Rucht

Interview: Kristian Stemmler

Dieter Rucht ist Soziologe und forscht zu sozialen Bewegungen und ­politischem Protest

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat ein »Zentrum für Analyse und Forschung«, das ZAF, gegründet, das die »Analysekompetenzen des Verfassungsschutzes« stärken soll. Sie sind Mitinitiator eines »Einspruchs« gegen diese Gründung. Welche Bedenken haben Sie?

In unserem veröffentlichten »Einspruch« nennen wir drei Gründe. Dies ist erstens die Bindung der Wissenschaft an Kriterien der Transparenz und Forschungsethik, darunter auch der Schutz von Persönlichkeitsrechten, die für den Verfassungsschutz, kurz VS, nicht gelten. Zweitens handeln dessen Behörden und die freie Wissenschaft nicht auf gleicher Grundlage und auf Augenhöhe. Das ist nicht eine Frage des Stils, sondern der strukturellen Bedingungen. Der VS operiert weisungsgebunden. Er wird naturgemäß manche seiner Daten nicht offenlegen. Drittens werden Wissenschaftler, die mit dem VS kooperieren oder sogar von ihm mit finanziert werden, Misstrauen bei den Beforschten hervorrufen und damit die künftige Auskunftsbereitschaft verringern.

Wie viele Wissenschaftler haben bisher unterschrieben?

Rund drei Wochen nach Veröffentlichung unseres »Einspruchs« haben 321 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichnet. Das sind deutlich mehr als erwartet. Sie kommen aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Psychologie etc. und arbeiten im weitesten Sinne zu politischen Konflikten, Protest, sozialen Bewegungen und Radikalisierung. Ich nenne stellvertretend für viele Wilhelm Heitmeyer, Matthias Quent und Fabian Virchow.

Warum sucht der Verfassungsschutz die Kooperation mit der Wissenschaft?

Die Kooperation wird vermutlich aus zwei Gründen gesucht. Erstens scheint trotz erheblicher personeller und finanzieller Kapazitäten die behördeninterne Expertise unzureichend zu sein. Ein Beleg dafür ist die jahrzehntelange Unterschätzung des Rechtsradikalismus durch Innenministerien und nachgeordnete VS-Ämter. Viele Wissenschaftler konnten sich über diese Blindheit nur wundern. Nun soll die Kooperation mit Externen die Sach- und Fachkompetenz des VS erhöhen. Ein zweiter, damit zusammenhängender Grund ist die schlechte Reputation der Verfassungsschutzbehörden. Die Kooperation mit externen und als unabhängig geltenden Wissenschaftlern verspricht, die behördlichen Befunde und Interpretationen aufzuwerten und diesen das Signum der Wissenschaftlichkeit zu verleihen.

Die Verfassungsschutzämter agieren auf Grundlage eines problematischen Extremismusbegriffes, der radikale Linke weitgehend mit Neonazis gleichsetzt. Sehen Sie das auch als Problem?

Der Extremismusbegriff ist durch die Definition des Bundesverfassungsgerichts und durch die sozialwissenschaftliche Extremismustheorie geprägt. Letztere betont die Gemeinsamkeiten zwischen links- und rechtsradikalen Gruppierungen, die gleichermaßen als demokratiefeindlich gelten und gewiss in formaler Hinsicht manche Parallelen aufweisen. Vernachlässigt bleiben allerdings die scharfen inhaltlichen und ideologischen Differenzen zwischen beiden Lagern wie auch ihre unterschiedliche Affinität zu schwerer Gewalt. Um einen harten Indikator zu nehmen: Die Zahl rechtsradikal motivierter Morde in Deutschland seit 1990 beträgt das Zigfache entsprechender Taten auf linksradikaler Seite.

Das ZAF hat im September bereits eine Konferenz zum Thema »Extremismus und Sozialisation« abgehalten. Offenbar gibt es Wissenschaftler, die auf das Angebot der Zusammenarbeit eingehen. Wie lief die Konferenz, und wie schätzen Sie die Resonanz des ZAF im Hochschulbetrieb ein?

Vom Ablauf der Konferenz weiß ich nur aus dritter Hand. Jedenfalls wurde unsere Kritik auf dem Podium diskutiert, teilweise aber auch als nicht nachvollziehbar bezeichnet. Insgesamt gibt es eine verbreitete Zurückhaltung in der mir bekannten wissenschaftlichen Gemeinschaft, mit dem VS zu kooperieren. Und manche Kollegen, so hoffe ich, werden im Lichte unseres »Einspruchs« ihre mögliche Kooperationsbereitschaft überdenken.


Link ...jetzt anmelden!

#VS
#Verfassungsschutz
#Antikommunismus
#Pseudowissenschaft

Peter Nowak hatte auf tp das Thema lesenswert bereits am 10. September:

Link ...jetzt anmelden!
• PDF-Datei Sozialwissenschaft im Dienst der Inner...
443,2 KB | application/pdf
...zum Download anmelden.
weniger anzeigen
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
USA: Amazon/Google-ArbeiterInnen solidarisch mit ..
1
Zuvor auf englisch im Morning Star: Amazon and Google workers issue letter in solidarity with Palestinian people ...mehr arktika NEU 22.11.2021
Apartheid zementiert
2
Ich verhashtagge mal so: #Apartheid, da die Begriffsdebatte ja bereits implizit geführt wird. FPeregrin 03.10.2021
FPeregrin 10.07.2021
Die DDR - Kampffelder u. Aufgaben für heutige Li..
6
>>>>> Reisen entlang der Systemkonkurrenz Die DDR war nicht eingemauert, der Weg nach Osten stand offen und das zu den ...mehr arktika NEU 11.01.2022
arktika NEU 11.01.2022
arktika NEU 11.01.2022
EGMR: rumänisches KP-Verbot 2014 für 'legal' er..
NEU
Ein nettes Skandalurteil des sog. "Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte" (EGMR) wurde im letzten Jahr kurz vor Weih...mehr arktika gestern
Thomas Sankara 1987 ermordet - nun endlich Prozeß
1
Und schon am 11. Okt. ein kürzerer Text von Reuters + jW ebenfalls im "Online extra" dieser Zeitung unter Mord an Thomas ...mehr arktika 14.10.2021