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NEUES THEMA04.02.2023, 13:27 Uhr
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FPeregrin

• 90 J. Ziegenhals-Tagung der KPD jW heute:

Thälmanns letzte Rede

Vor 90 Jahren tagte das ZK der KPD illegal im »Sporthaus Ziegenhals«. Damit begann der organisierte Widerstand gegen das Naziregime

Von Max Renkl

Auszüge aus der »Ziegenhalser Rede« Ernst Thälmanns vom 7. Februar 1933

»Die Bedeutung der heutigen Konferenz ergibt sich schon aus der Tatsache, dass zweifelsohne durch die Bildung der Hitlerregierung eine solche Zuspitzung des Klassenkampfes eingetreten ist, wie wir sie seit 1918 kaum mehr zu verzeichnen hatten. (…) Das Kabinett Hitler-Hugenberg-Papen ist die offene faschistische Diktatur. (…) Der Kampf, der vor uns liegt, ist der schwerste, den die Partei zu bestehen hat. (…) Es ist der Bourgeoisie ernst damit, die Partei und die ganze Avantgarde der Arbeiterklasse zu zerschmettern. (…) Also nicht nur Vernichtung der letzten spärlichen Rechte der Arbeiter, nicht nur Parteiverbot, nicht nur faschistische Klassenjustiz, sondern alle Formen des faschistischen Terrors; darüber hinaus: Masseninternierung von Kommunisten in Konzentrationslagern, Lynchjustiz und Meuchelmorde an unseren tapferen antifaschistischen Kämpfern, insbesondere an kommunistischen Führern. (…)

Wir müssen die Hitlerregierung vor den Massen als Regime des faschistischen Terrors, der kapitalistischen Aushungerung und des imperialistischen Krieges, als Regierung der Kapitalisten und Großgrundbesitzer entlarven. Wir müssen die parlamentarischen, demokratischen und legalistischen Illusionen in den Massen im schärfsten ideologischen Kampf gegen die betrügerischen Parolen der SPD beseitigen. Wir müssen den Kampf um die sozialdemokratischen Arbeiter zur Teilnahme an gemeinsamen Aktionen und Kämpfen (…) aufs stärkste steigern.«


Drei Sicherungsringe passierte Ernst Thälmann am späten Nachmittag des 7. Februar 1933, als er, wie weitere Mitglieder des Politbüros des ZK der KPD, mit dem Pkw am »Sporthaus Ziegenhals« am Krossinsee ankam. Große Teile des Sicherheitsapparats der KPD waren im Einsatz, um die Tagung der rund 40 hochrangigen KPD-Funktionäre zu schützen. Eine Woche zuvor waren die braunen Mörder von SA und SS mit Fackeln durch das Brandenburger Tor marschiert. Die Einschätzung der KPD und ihres Vorsitzenden Thälmann von 1932 hatte sich mit dem 30. Januar 1933 als richtig erwiesen: »Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler.« Die Nazis zögerten nicht, auf Antifaschisten, auf Kommunisten, Sozialdemokraten und Sozialisten Jagd zu machen. Die KPD war zwar noch nicht offiziell verboten, jedoch erheblichen Angriffen der Faschisten ausgesetzt. Die ZK-Tagung der KPD musste bereits unter illegalen Bedingungen und mit großen Schutzvorkehrungen durchgeführt werden.

Die Idee für diese Tagung war schon am 28. Januar 1933 entstanden, als Reichskanzler General von Schleicher zurückgetreten war, was Thälmann und seine Genossen als einen weiteren Schritt hin zur Errichtung einer faschistischen Diktatur in Deutschland interpretierten. Der KPD-Vorsitzende trat an den Genossen Otto Franke heran, damit dieser eine Tagung von ZK und weiteren Funktionären der Partei organisiere. Die Wahl fiel auf die unter Arbeitern beliebte Sportgaststätte südöstlich von Berlin.

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bestätigte die Analysen der deutschen Kommunisten. Die Konservativen beschwichtigten: Hitler sei doch »eingebunden«, flankiert von so ehrenwerten Herren wie Franz von Papen oder dem Krupp-Direktor Alfred Hugenberg, Hjalmar Schacht von der Dresdner Bank, Konstantin von Neurath, Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk (Großvater von Beatrix von Storch) und so weiter. Hitler werde sich nicht lange halten, bald abwirtschaften, beruhigte die SPD-Führung, obwohl schon eine Woche lang Genossen auch aus der eigenen Partei gejagt, verhaftet und gefoltert worden waren.

Selbstkritik und Aufruf

Während sich in Ziegenhals die führenden Köpfe der KPD illegal versammelten, um den Widerstand zu organisieren und sich auf einen langen Kampf einzustellen, folgten in Berlin 200.000 Menschen einem Aufruf der SPD-Führung. Während die Massen den Aufruf zum Kampf erwarteten, lautete die Losung des SPD-Parteivorstands: abwarten!
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Anders die KPD. War Thälmann am 28. Januar mit großer Wahrscheinlichkeit noch von einer »normalen« KPD-Tagung ausgegangen, um den weiteren Kurs festzulegen, so wäre dies mit dem 30. Januar unverantwortlich gewesen. Allein das ZK der KPD hatte mit allen Kandidaten an die 100 Genossinnen und Genossen gezählt.

Das Politbüro beschloss also, für den 7. Februar eine ZK-Sitzung einzuberufen, an der weitere leitende Funktionäre aus dem gesamten Reich sowie Chefredakteure wichtiger Bezirkszeitungen teilnehmen sollten. Thälmann wurde das Referat übertragen. Nach welchen Kriterien die Genossen ausgewählt wurden, ist nicht genau bekannt. Die Funktionen der Teilnehmenden lassen den Schluss zu, dass Genossen mit Masseneinfluss, also Multiplikatoren, ausgesucht wurden, die gewährleisten konnten, dass der beschlossene Kurs der Partei in alle Ecken des Landes getragen würde.

Der Kurierdienst des ZK überbrachte die Einladungen, die nur eine der Anlaufstellen in Berlin nebst Zeitangabe enthielten. Wartezeit: 15 Minuten. Wer diese Zeit überschritt, war »abgehängt«. Der nächste Treff war die Sternwarte Treptow. Dort erwartete Artur Lange die Besucher. Lange führte die Genossen durch die Sternwarte, die anschließend als »Sportlerreisegesellschaft« mit Reisebussen nach Ziegenhals fuhren. Auch sie passierten die zahlreichen bewaffneten Wachposten, die überall um den Tagungsort aufgestellt waren, um einen möglichen Überfall der Nazis zu vereiteln. Dank einer pfiffigen Idee des Genossen Otto Franke gelang es, die Aktivitäten der örtlichen Polizei an diesem Tag in der Region genau zu überwachen.

Wilhelm Pieck begrüßte die Anwesenden, Walter Ulbricht leitete die ZK-Tagung. Ernst Thälmann war von der Situation, in der sich die Partei nun befand, merklich aufgewühlt: »Jetzt droht die Vernichtung der Partei.« In seiner Rede analysierte der 47jährige KPD-Vorsitzende die Klassenkräfte und leitete daraus, neben den Schritten zum Schutz der eigenen Partei, den neuen Kurs ab, wonach alle Antifaschisten zusammenstehen sollten, um durch Massenaktionen und -streiks den Faschismus an der Macht zu stürzen. Seine Ansprache ist sowohl Zeugnis der Selbstkritik angesichts eigener Fehler als auch ein eindringlicher Aufruf an alle Nazigegener zum Kampf. Die »Ziegenhalser Rede« markiert den Beginn des organisierten Widerstands gegen das Naziregime. Thälmann sprach mit lauter Stimme. Sie hallte bis in die Schankstube und über den See. Als Genossen bemerkten, dass das Lokal beobachtet wurde, informierten sie unverzüglich Walter Ulbricht, der die Tagung daraufhin sofort beendete.

Die eine Hälfte der Teilnehmer sollte sich mit den bereitgestellten Reiseomnibussen nach Berlin begeben, die andere mit dem Motorboot »Charlotte« über den See fahren, um vom dortigen Ufer mit der Bahn nach Berlin zurückzukehren. Dank der umsichtigen Leitung der Sitzung erreichten alle Teilnehmer ungehindert ihr Ziel. Als zwei Stunden später die SA erschien, war das Lokal bereits leer.

Beginn des Widerstands

Die Tagung des ZK in Ziegenhals war die letzte, auf der Ernst Thälmann vor den Mitgliedern des Zentralkomitees und vor Vertretern der Parteibezirke und der Massenorganisationen sprach. Die anwesenden Genossen machten sich sofort daran, die in Ziegenhals festgelegte Linie in alle Bezirke zu tragen: die gesamte Partei und alle Antifaschisten zum Kampf gegen die Nazis zu mobilisieren. Aufrufe, Einheitsfrontangebote unter anderem an die SPD und Richtlinien, die die Partei ab dem Februar 1933 herausgab und umsetzte, entsprachen diesem Kurs, der später auf der Berner und auf der Brüssler Konferenz der KPD sowie auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale weiterentwickelt wurde. Ziegenhals spiegelte sich in den zahllosen, täglichen und nicht enden wollenden gemeinsamen Widerstandsaktionen wider – trotz des Terrors der Faschisten.


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NEUER BEITRAG04.02.2023, 23:56 Uhr
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arktika

Die 'Charlotte' befindet sich heute in der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte 'Heideruh' Link ...jetzt anmelden! in der Nähe von Buchholz i. d. Nordheide. Wer da mal ein paar Tage abspannen will oder ein Seminar oder ein Gruppentreffen abhalten möchte: Es ist zwar leider nicht billig, aber sehr nett und Ihr unterstützt ein gutes Projekt. smiley
NEUER BEITRAG10.02.2023, 23:54 Uhr
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FPeregrin

90 J. Ziegenhals-Tagung der KPD jW morgen aus Teddys Ziegenhalser Rede:

Die Bedeutung der heutigen Konferenz ergibt sich schon aus der Tatsache, dass zweifelsohne durch die Bildung der Hitler-Regierung eine solche Zuspitzung des Klassenkampfes eingetreten ist, wie wir sie seit 1918 kaum mehr zu verzeichnen hatten. (…)

Das Kabinett Hitler-Hugenberg-Papen ist die offene faschistische Diktatur. Was die Zusammensetzung der Regierung anbetrifft, so kann es in Deutschland eine weitere Steigerung in der Richtung des offenen Faschismus kaum mehr geben. Wohl aber gibt es in den Methoden dieser Regierung der offenen faschistischen Diktatur noch eine ganze Reihe von Steigerungsmöglichkeiten. (…) Es ist der Bourgeoisie ernst damit, die Partei und die ganze Avantgarde der Arbeiterklasse zu zerschmettern. (…)

Wenn in ganz Deutschland kein Tag vergeht, wo nicht an ein paar Stellen Feuergefechte zwischen faschistischen Terrorbanden und der Arbeiterschaft stattfinden, sei es mit Kommunisten oder Reichsbannerleuten, so sind das bestimmte Elemente des BĂĽrgerkrieges, die wir sehen und bei unserer Beurteilung der Lage und der Aufgaben berĂĽcksichtigen mĂĽssen.
Elemente des Bürgerkrieges – das ist eine sehr ernste Feststellung. (…) Gerade die Vermeidung von scheinradikaler, überspitzter Phraseologie gibt uns jetzt um so mehr die Gelegenheit, angesichts des Ernstes der Situation mit voller Autorität der Partei in den Massen die außerordentliche Verschärfung der Lage klarzustellen. Wir müssen alle Unklarheiten und Schwankungen in der Partei in dieser Frage überwinden. (…) Die Bourgeoisie hat dem Proletariat den Bürgerkrieg erklärt. Wir sind uns des Ernstes der Situation und der ganzen Verantwortungsschwere bei dieser Feststellung für die Partei bewusst. (…)

Worauf kommt es jetzt vor allem an? Wir müssen erreichen, dass die Kette der Massenaktionen und Massenkämpfe gegen die faschistische Diktatur in ganz Deutschland nicht mehr abreißt. (…) Die Anwendung einer solchen Taktik des unablässigen Kampfes, der ununterbrochenen Massenaktionen stellt uns gerade die Aufgabe, alles daranzusetzen, um möglichst rasch die vielen Teilaktionen und Teilkämpfe zum großen, umfassenden Massenstreik, ja zum Generalstreik zu steigern. (…)

Gegenüber solchen Genossen, die jetzt denken, die Partei wird vielleicht noch vor den Wahlen (am 5. März 1933 fanden Reichstagswahlen statt, jW) verboten, also braucht man keinen Wahlkampf mehr zu führen, müssen wir sagen, dass wir im Gegenteil die allerstärkste Aktivität entfalten müssen. Wir müssen die Hitler-Regierung vor den Massen als Regime des faschistischen Terrors, der kapitalistischen Aushungerung und des imperialistischen Krieges, als Regierung der Kapitalisten und Großgrundbesitzer entlarven. Wir müssen die parlamentarischen, demokratischen und legalistischen Illusionen in den Massen im schärfsten ideologischen Kampf gegen die betrügerischen Parolen der SPD beseitigen. Wir müssen den Kampf um die sozialdemokratischen Arbeiter zur Teilnahme an gemeinsamen Aktionen und Kämpfen gegen die faschistische Diktatur auf stärkste steigern. Wir müssen überall den gemeinsamen Massenselbstschutz aufziehen, einen Patrouillendienst in den Arbeitervierteln, die Möglichkeit rascher Alarmierung der Arbeiterschaft gegen faschistische Überfälle usw. organisieren. Wir müssen anlässlich des drohend bevorstehenden Parteiverbots die Rolle der Partei immer deutlicher als der einzigen Partei eines realen, positiven Auswegs aus der Krise, als der einzigen Partei der Verteidigung der Interessen der werktätigen Massen herausarbeiten. (…)

Wir müssen die größte Stoßkraft entfalten zur Gewinnung der proletarischen und werktätigen Jugend aus der SAJ, aber sogar aus der Hitlerjugend müssen wir einzelne und ganze Massen herüberreißen. Wir müssen gegen die Zwangsarbeit, gegen die Zuchthauslager und die Kasernierung mit der Arbeitsdienstpflicht, gegen die Militarisierung der Jugend Sturm laufen.

Gegen die chauvinistische Kriegshetze und imperialistische Kriegspolitik des Faschismus mĂĽssen wir die Massenpropaganda fĂĽr den proletarischen Internationalismus, fĂĽr unsere Freiheitspolitik entfalten.


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