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80 J. Sieg der Roten Armee bei Stalingrad
  [3 pics] begonnen von FPeregrin am 31.01.2023  | 6 Antworten
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NEUES THEMA31.01.2023, 09:46 Uhr
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31.01.2023, 09:47 Uhr
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NEUER BEITRAG01.02.2023, 23:09 Uhr
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jW morgen:

Stalingrad

Im russischen Wolgograd ist anlĂ€sslich der Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag der Weltkriegsschlacht in der frĂŒher Stalingrad genannten Stadt eine neue BĂŒste des frĂŒheren GeneralsekretĂ€rs der KPdSU, Josef Stalin, enthĂŒllt worden. Der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge wurde das Denkmal am Mittwoch vor einem Akt zur Feier des Siegs der Roten Armee ĂŒber das faschistische Deutschland enthĂŒllt, an der am Donnerstag auch StaatsprĂ€sident Wladimir Putin teilnehmen soll. (AFP/jW)


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NEUER BEITRAG01.02.2023, 23:16 Uhr
EDIT: FPeregrin
01.02.2023, 23:25 Uhr
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80 J. Sieg der Roten Armee bei Stalingrad Ebd.:

Wendepunkt im Weltkrieg

Vor 80 Jahren kapitulierte die 6. Armee bei Stalingrad. Der Kampf um die Stadt war der Anfang vom Ende Hitlers. In dieser Schlacht zeigten sich die strategischen und mobilisierenden FĂ€higkeiten der sowjetischen FĂŒhrung

Von Harald Projanski

Als die Schlacht vorbei war, gestanden die Verlierer ein, dass sie unfĂ€hig waren, die Ursachen ihrer Niederlage zu erkennen. In der Meldung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 3. Februar 1943, die in allen deutschen Zeitungen erschien, hieß es, die 6. Armee sei in Stalingrad »der Übermacht des Feindes und der Ungunst der VerhĂ€ltnisse erlegen«. Wodurch waren sie bestimmt, die »VerhĂ€ltnisse«, und was machte deren »Ungunst« aus? Warum konnte die modernste MilitĂ€rmaschinerie der Welt, die des deutschen Imperialismus, die »VerhĂ€ltnisse« nicht zu ihren Gunsten wenden? Auf diese Fragen wussten die Nazipropagandisten keine Antwort.

Die gesamte 6. Armee der Wehrmacht, bis zu 300.000 Soldaten, war im November 1942 bei Stalingrad von der Sowjetarmee eingekesselt und vernichtet worden. Rund 90.000 Soldaten gingen in Gefangenschaft. Die meisten von ihnen starben an EntkrĂ€ftung und Krankheiten, nur 6.000 kehrten zurĂŒck. Die Rote Armee hatte annĂ€hernd 500.000 Soldaten verloren.

Bei der Kundgebung zur Befreiung Stalingrads versammelten sich am Vormittag des 4. Februar 1943 Soldaten und Einwohner der Stadt zwischen rußgeschwĂ€rzten Ruinen, Bombentrichtern, ausgebrannten Eisenbahnwaggons und zerstörten deutschen MilitĂ€rfahrzeugen. In der Stadt, in der vor Beginn der Schlacht rund 600.000 Menschen gewohnt hatten, lebten noch knapp 10.000 Zivilisten. Hitlers Truppen hatten eine TodeswĂŒste hinterlassen.

Blutspur

Die Idee fĂŒr den Angriff auf Stalingrad hatte das Oberkommando der Wehrmacht bereits ab November 1941 entwickelt, als Hitlers Armee daran gescheitert war, Moskau zu erobern. Am 5. April 1942 bestĂ€tigte das »FĂŒhrerhauptquartier« eine Weisung, die vorsah, die deutschen AngriffskrĂ€fte im SĂŒdabschnitt der Front zu konzentrieren. Hitler war der Ansicht, dass »der Feind die Massen seiner Reserven im ersten Kriegswinter weitgehend verbraucht« habe. Daher befahl er der Wehrmacht, zugleich nach Stalingrad und nach SĂŒden in den Kaukasus vorzustoßen.

Worum es den Nazis dabei ging, verkĂŒndete Propagandaminister Joseph Goebbels in einer Kolumne in der Wochenzeitung Das Reich am 31. Mai 1942. Deutschland, so Goebbels, fĂŒhre einen »Krieg fĂŒr Getreide und Brot«, einen »Krieg um die Rohstoffe, um Gummi, Eisen und Erze«. FĂŒr den Sieg versprach Goebbels den Deutschen »einen vollgedeckten FrĂŒhstĂŒcks-, Mittags- und Abendtisch«. Es fanden sich genug, die Appetit darauf hatten und bereit waren, dafĂŒr ĂŒber Leichen zu gehen. So auch die Soldaten der 6. Armee, die ab Juli 1942 Richtung Stalingrad vorstieß. Schon bevor sie sich Stalingrad nĂ€herte, hatte sie bereits eine Blutspur durch das ĂŒberfallene Sowjetland gezogen. Offiziere des der 6. Armee unterstellten XXIX. Armeekorps waren an der Planung des Massakers von Babi Jar (ukrainisch: Babyn Jar) beteiligt, bei dem im September 1941 etwa 33.000 jĂŒdische SowjetbĂŒrger ermordet worden waren. Oberbefehlshaber der 6. Armee war damals Walter von Reichenau, bekannt durch den sogenannten Reichenau-Befehl vom 10. Oktober 1941. Darin hieß es, »der Soldat« mĂŒsse »fĂŒr die Notwendigkeit der harten, aber gerechten SĂŒhne am jĂŒdischen Untermenschentum volles VerstĂ€ndnis haben«.

Am 23. August 1942 erreichte die 6. Armee Stalingrad und stieß auf heftigen Widerstand der Roten Armee. Am selben Tag griff die deutsche Luftwaffe mit 600 Maschinen die Stadt an. Dabei kamen nach SchĂ€tzungen etwa 40.000 Menschen ums Leben. Die Wehrmacht und ihre Hilfstruppen, darunter RumĂ€nen, Kroaten, ukrainische und auch russische Kollaborateure, stießen im September und Oktober immer weiter in die Stadt vor. Die Verteidigung der großen Industriestadt wurde dadurch behindert, dass die Wolga die Stadt teilte. Das erschwerte sowohl die Versorgung der Truppen als auch das Manövrieren.

Erbittert gekĂ€mpft wurde vor allem um das große Traktorenwerk, das seit 1940 den Panzer T-34 produzierte. In dem umkĂ€mpften Betrieb reparierten Panzersoldaten und Traktorenwerker beschĂ€digte Kampfpanzer. Im Werk verteidigten Arbeiterabteilungen gemeinsam mit den Rotarmisten die Fabrik. Darunter waren auch KĂ€mpfer aus der Zeit des russischen BĂŒrgerkrieges, welche die Stadt 1919 gegen die konterrevolutionĂ€ren Weißgardisten verteidigt hatten. Lenin hatte damals Stalin mit der Verteidigung der Stadt beauftragt.

Schwerpunkte der KĂ€mpfe waren auch das Stahlwerk »Roter Oktober« und der MamajewhĂŒgel, eine große Erhebung, von der aus sich die Stadt ĂŒberblicken lĂ€sst. Seit September 1942 fĂŒhrte der damals 42 Jahre alte Generalleutnant Wassili Tschuikow die Verteidiger Stalingrads. Der Bauernsohn, seit 1919 Mitglied der Kommunistischen Partei, hat seine Erinnerungen ĂŒber den Kampf um Stalingrad 1975 in Moskau veröffentlicht. Die deutsche Fassung »Die Schlacht des Jahrhunderts« erschien im MilitĂ€rverlag der DDR. Tschuikow hatte in den Jahren 1940 bis 1942 als MilitĂ€rattachĂ© in China gedient. Diese TĂ€tigkeit war eng mit der MilitĂ€raufklĂ€rung verbunden.


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NEUER BEITRAG01.02.2023, 23:20 Uhr
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Den Feind durchschauen

Tschuikow war bewusst, dass die Rote Armee in Stalingrad einem ĂŒberlegenen Feind gegenĂŒberstand. Die Wehrmacht war zahlenmĂ€ĂŸig »in allen Waffengattungen weit ĂŒberlegen«, vor allem an Panzern, aber auch an Artillerie, schrieb er in seinen Memoiren. Die FliegerkrĂ€fte der Sowjets verfĂŒgten zu Beginn der Schlacht nur ĂŒber ein Zehntel der Maschinen der Deutschen. Zudem hatte die Rote Armee in der Stadt »weder Pferde noch andere Zugmittel«. Dies fĂŒhrte zu starken Verlusten. FreimĂŒtig bekannte Tschuikow rĂŒckblickend, dass sich »der Mangel an Munition und Verpflegung« und die »Schwierigkeiten beim Einsatz von Menschen und Technik« durchaus »nachteilig auf die Kampfmoral« ausgewirkt hĂ€tten.

Ein Hebel, die Lage zu Ă€ndern, war verbesserte AufklĂ€rung. In den ersten Wochen der KĂ€mpfe um Stalingrad hatte die Rote Armee nur unzureichende Kenntnisse ĂŒber den Gegner. Der erfahrene MilitĂ€raufklĂ€rer Tschuikow ließ seine Offiziere detaillierte Informationen ĂŒber die Verteilung der deutschen KrĂ€fte sammeln. Sowjetische SpĂ€her schlichen nachts hinter die deutschen Linien. In der Stadt gebliebene Zivilisten halfen beim Sammeln von Informationen ĂŒber die Wehrmacht, stets unter Lebensgefahr. Tschuikow ging es darum zu erfahren, »was der Gegner am nĂ€chsten Tag oder eine Woche spĂ€ter vorhatte«. Aber er bemĂŒhte sich zugleich auch darum, den Feind analytisch zu durchschauen. Ihm war bekannt, wie effektiv die Wehrmacht organisiert war, wie gut die Übermittlung von Nachrichten zwischen Fliegern, Panzern und Infanterie funktionierte. Er erkannte, dass die SchwĂ€che des Gegners im Nahkampf lag. Und er erkannte, dass die Deutschen zu einer »gut durchgearbeiteten, wenn auch schablonenhaften Taktik« neigten.

Nahkampf, das hieß, dass Soldaten den Gegner mit Handgranaten und Maschinenpistolen, auch mit Spaten und Messern attackierten. Oft entschied der Kampf um ein Treppenhaus die Kontrolle ĂŒber ein GebĂ€ude. Ende Oktober gelang es der Wehrmacht, die Rote Armee auf dem rechten Ufer der Wolga in zwei Gruppen zu spalten, die nur noch Streifen von wenigen hundert Metern verteidigten. Eine wichtige Rolle bei der Verteidigung der Stadt spielten sowjetische ScharfschĂŒtzen. Der britische Historiker Antony Beevor mokiert sich in seinem Buch »Stalingrad«, die Sowjetunion habe »um diese finstere Kunst« eine Propaganda betrieben, die »nahezu hysterisch« gewesen sei. Was Beevor nicht erkannte: Die sowjetische ScharfschĂŒtzenbewegung war eine Antwort auf die Herausforderung durch die Nazis. Die Hitlerjugend, die 1939 mit annĂ€hernd neun Millionen Mitgliedern fast die gesamte deutsche Jugend umfasste, hatte schon vor dem Krieg in »SchießwettkĂ€mpfen« die besten SchĂŒtzen ermittelt. Die reichte sie bald darauf an Wehrmacht und Waffen-SS weiter. So kamen deutsche SchĂŒtzenkönige, auf Kleinstadtfesten in den dreißiger Jahren noch als Kinder bejubelt, den SowjetbĂŒrgern 1942 als Mordbuben entgegen.

Daher war die Ausbildung von ScharfschĂŒtzen durch die Rote Armee nicht Ausdruck von Finsternis, sondern von Weitsicht. Viele der ScharfschĂŒtzen waren im Kommunistischen Jugendverband (Komsomol) erzogen worden. Die Jugendorganisation der KPdSU wie auch die Partei selbst spielten eine besondere Rolle in der Schlacht von Stalingrad, die bĂŒrgerliche Betrachter meist völlig außer acht lassen. »Keine Kompanie war ohne Parteigruppe«, schrieb Tschuikow. Es gab Bataillone, die nur aus Kommunisten und Komsomolzen bestanden. Die Kommunisten verbreiteten in Stalingrad Plakate, die den Ernst der Lage ausdrĂŒckten: »Genosse, wenn du den Feind nicht in Stalingrad zum Stehen bringst, kommt er auch in dein Dorf und wird dein Haus zerstören.« In Stalingrad gelang es der KPdSU, nicht nur Kommunisten zu mobilisieren, sondern auch Nichtkommunisten, orthodoxe Christen, selbst Menschen, die noch dem Zarenreich nachtrauerten. Die Reden und Aufrufe Stalins wĂ€hrend des Krieges spiegeln diese entscheidende FĂ€higkeit der sowjetischen Kommunisten.

Gegenschlag

Ende Oktober 1942 zeigte sich, so Tschuikow in seinen Erinnerungen, »dass die KrĂ€fte beider Seiten zu Ende gingen«. In dieser Lage bereitete die sowjetische FĂŒhrung den entscheidenden Gegenschlag vor. Stalin erhielt ausfĂŒhrliche Planungen der MilitĂ€rs, stellte detailliert Fragen und zeichnete die PlĂ€ne mit seinem blauen Stift ab. Am 13. November beschloss das PolitbĂŒro des Zentralkomitees der KPdSU den Plan zur Offensive im Raum Stalingrad, die Operation »Uran«. Mit einer Million Soldaten, 13.500 GeschĂŒtzen und rund 900 Panzern stieß die Rote Armee nordwestlich von Stalingrad auf einer Breite von 28 Kilometern bei dichtem Nebel in die Flanke der Wehrmacht. Zugleich griff ein Panzerkorps von SĂŒdwesten her die Deutschen westlich vor Stalingrad an. Am 23. November 1942 vereinigten sich die sowjetischen Truppen sĂŒdwestlich von Stalingrad. Damit waren 330.000 feindliche Soldaten eingeschlossen. Mit den eingekesselten Hitlertruppen ging es in den kommenden Wochen zĂŒgig bergab. Der Versuch der Luftwaffe, den Kessel aus der Luft zu versorgen, scheiterte nicht zuletzt an der sowjetischen Luftabwehr. Der Hunger, den Hitlers Soldaten ĂŒber die besetzten Gebiete gebracht hatten, traf nun sie selbst. Am 8. Dezember 1942 erhielten die deutschen Soldaten im Kessel noch 200 Gramm Brot, am 31. Dezember nur noch 80 Gramm.

Als Nachschlag zu den Hungermahlzeiten servierten die Hitler-GenerĂ€le LĂŒgen. In seinem Neujahrstelegramm an die 6. Armee zum 1. Januar 1943 versprach Feldmarschall Erich von Manstein den Eingeschlossenen die »baldmöglichste Befreiung«. In Westdeutschland avancierte Manstein nach dem Krieg mit seiner Rechtfertigung »Verlorene Siege« zum Bestsellerautor.

Die von ihrer FĂŒhrung belogenen Wehrmachtssoldaten in Stalingrad jagten Katzen, Hunde und Ratten und kochten Suppen aus SĂ€gemehl. Die Wahrheit ĂŒber ihre Lage verkĂŒndeten FlugblĂ€tter der Roten Armee, nachdem die GenerĂ€le der Wehrmacht die von der Roten Armee am 8. Januar 1943 angebotene Kapitulation abgelehnt hatten: »Deutsche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften! Euer Schicksal liegt jetzt in eurer eigenen Hand.« Und: »Schickt eure Vertreter mit weißer Flagge! Verlasst die GrĂ€ben und Bunker mit erhobenen HĂ€nden! Nur so werdet ihr euer Leben retten.«

Fast alle Wehrmachtssoldaten aber vertrauten folgsam ihren Offizieren und Generalen und deren Warnungen vor Moskaus Desinformation. Doch selbst die NazifĂŒhrung, die ihre Soldaten in Stalingrad weiter verheizte, erkannte Ende Januar, dass die Schlacht fĂŒr sie verloren war. Wie sehr diese Niederlage die NazifĂŒhrung traf, zeigt ein Tagebucheintrag von Goebbels vom 23. Januar 1943: Die deutschen Truppen seien »durch Hunger und KĂ€lte so herunter, dass sie zu keinen Kampfleistungen mehr fĂ€hig sind«. Goebbels schrieb: »Der FĂŒhrer ist durch diese Nachrichten auf das tiefste erschĂŒttert.« Der Propagandaminister schilderte, wie ein junger Major, aus Stalingrad ausgeflogen, ihm und Hitler Vortrag hielt: »Die Truppen haben nichts mehr zu essen, nichts mehr zu schießen und nichts mehr zu feuern. Reihenweise sitzen sie in den Bunkern, verhungern und erfrieren.«

Doch solche Details enthielt Goebbels der Öffentlichkeit lieber vor. Am 4. Februar 1943 notierte er in sein Tagebuch: »Wir sind nunmehr gezwungen, die Aufgabe von Stalingrad dem deutschen Volke mitzuteilen.« Goebbels erkannte sofort: »Die Meldung von Stalingrad ĂŒbt im deutschen Volke eine Art Schockwirkung aus.« Der Glaube an den Sieg, mit dem die Nazis das Volk zum Narren hielten, war nach der Niederlage von Stalingrad selbst bei vielen AnhĂ€ngern des Naziregimes tief erschĂŒttert.


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Tiefe GegensÀtzlichkeit

Dass die Nazis bei ihrem Krieg gegen die Sowjet­union und gegen andere Völker vor allem an ihrer rassistischen Ideologie scheitern wĂŒrden, war eine EinschĂ€tzung, zu der die sowjetische FĂŒhrung schon bald nach Beginn des deutschen Überfalls gekommen war. Bereits in seiner ersten Rundfunkrede wenige Tage nach dem Überfall Hitlerdeutschlands, am 3. Juli 1941, definierte Stalin den Charakter des Krieges als »vaterlĂ€ndischen Befreiungskrieg gegen die faschistischen Versklaver«. Deren Ziel sei die »Zerstörung der nationalen Kultur und nationalen Staatlichkeit« vieler Völker, darunter der Russen, Ukrainer, Belarussen, Litauer, Letten und Esten.

In einem Befehl vom 23. Februar 1942 verkĂŒndete Stalin in seiner Funktion als Volkskommissar fĂŒr Verteidigung: »Die Rote Armee ist frei vom GefĂŒhl des Rassenhasses.« Denn sie sei »erzogen im Geiste der Rassengleichheit und der Achtung gegenĂŒber den Rechten anderer Völker«. Daher bekĂ€mpfe die Rote Armee die deutschen Soldaten nicht aus Hass gegenĂŒber allem Deutschen, sondern nur als »faschistische Okkupanten«, die »unsere Heimat versklaven wollen«. Die Rote Armee fĂŒhre den Krieg »zur Vertreibung und Vernichtung der Hitlerclique«. Dabei argumentierte Stalin, »es wĂ€re lĂ€cherlich, die Hitlerclique mit dem deutschen Volk gleichzusetzen, mit dem deutschen Staat«. Darauf folgte der spĂ€ter oft zitierte Satz: »Die Erfahrungen der Geschichte besagen, dass die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt.«

Stalin wies darauf hin, die Rote Armee nehme »deutsche Soldaten und Offiziere gefangen, wenn sie sich gefangen geben, und bewahrt ihnen das Leben«. Damit streckte die Sowjetunion den MitlĂ€ufern des Feindes schon die Hand zur kĂŒnftigen Versöhnung aus. Die Nazipropaganda aber versuchte, den Deutschen einzureden, die Rote Armee mache keine Gefangenen. Im Dezember 1942 schrieb Goebbels in sein Tagebuch, es seien »etwa vier- bis sechshundert Postkarten aus russischen Gefangenenlagern im Reich angekommen, die ohne jede Propaganda sind«. Goebbels höhnte, »die Bolschewisten« wollten »sich wohl jetzt als gesittete und zivilisierte Nation aufspielen«. In Zukunft, so der Propagandaminister, sollten solche Karten »nicht mehr den Angehörigen ausgeliefert werden«. Die Nazis wollten »diese Frage« kĂŒnftig »außerordentlich delikat« behandeln – die Sowjetunion hatte die Hitleristen vorgefĂŒhrt.

Hitler und Stalin, die »beiden Diktatoren«, wie sie in der bĂŒrgerlichen Geschichtsbetrachtung des Westens bezeichnet werden, zeigten sich in der Schlacht von Stalingrad in ihrer tiefen GegensĂ€tzlichkeit, als Persönlichkeiten, als TrĂ€ger von Weltanschauungen und als MilitĂ€rstrategen. Das zeigt ein Vergleich zweier Reden, die Hitler und Stalin Anfang November wĂ€hrend der Schlacht um Stalingrad hielten. Am 8. November 1942 sprach Hitler wie jedes Jahr am Vorabend des Jahrestages seines gescheiterten Putsches von 1923 in MĂŒnchen. Im LöwenbrĂ€ukeller hielt er eine Rede vor alten »Parteigenossen«. In der im Rundfunk ĂŒbertragenen Ansprache bekannte er sich zur »Ausrottung des Judentums in Europa«. Hitler ließ sich als bekennender Vabanquespieler feiern: »Ich höre grundsĂ€tzlich erst fĂŒnf Minuten nach zwölf auf.«

Der »FĂŒhrer« begrĂŒndete den Angriff auf Stalingrad damit, dass dort ein »gigantischer Umschlagplatz« sei, man schneide dort »30 Millionen Tonnen Verkehr« ab. Dieser Platz sei im Grunde bereits eingenommen: »Wir haben ihn nĂ€mlich. Es sind ein paar ganz kleine PlĂ€tzchen noch da«. Gemeint war der von den Sowjets kontrollierte Teil der Stadt. Hitler höhnte, der sowjetische Gegner solle »ruhig dann angreifen, er wird sich dabei schwer ausbluten«. Und er setzte sich mit nicht namentlich genannten Kritikern in Deutschland auseinander, die sagten, der Vormarsch nach Stalingrad sei »ein strategischer Fehler«. Seine Antwort darauf: »Das wollen wir mal abwarten, ob das ein strategischer Fehler war.« Hitler prahlte unter dem Beifall seiner AnhĂ€nger: »Was wir einmal besitzen, das halten wir dann auch tatsĂ€chlich so fest, dass in diesem Krieg jedenfalls ein anderer dort, wo wir stehen, nicht mehr hinkommt.« Da waren es nicht einmal mehr zwei Monate bis zur Gefangennahme der letzten deutschen Soldaten in Stalingrad.

Zwei Tage vor Hitlers Rede hatte Stalin in Moskau vor ParteifunktionĂ€ren zum 25. Jahrestag der Oktoberrevolution gesprochen. Dabei konstatierte er, dass die Hitlertruppen bei Stalingrad und an der Kaukasusfront ein »großes Übergewicht an KrĂ€ften« hĂ€tten. Sie seien daher in der Lage, einen »ernsthaften Angriff« zu fĂŒhren, und »haben einen bedeutenden taktischen Erfolg erreicht«. Doch seien »die strategischen PlĂ€ne der Deutschen eindeutig unrealistisch«. Das Problem der Deutschen bestehe darin, so Stalin, dass sie »zwei Hasen gleichzeitig gejagt hĂ€tten« – eine Anspielung auf das russische Sprichwort, wer zwei Hasen gleichzeitig jage, fange keinen von ihnen. Gemeint war das Ziel der Deutschen, Moskau zu erobern, und der Versuch, die Sowjetunion vom Öl aus Baku und Grosny abzuschneiden.

Die »Hauptursache der taktischen Erfolge der Deutschen«, so Stalin, sei »das Fehlen einer zweiten Front in Europa«. Insgesamt dreimal erwĂ€hnte Stalin in seiner Rede das Fehlen einer von den US-Amerikanern und Briten eröffneten zweiten Front. Zugleich gab Stalin die Prognose, es werde sie »frĂŒher oder spĂ€ter« geben. BegrĂŒndung: »Unsere VerbĂŒndeten brauchen sie nicht weniger als wir.« Dabei sei »die Logik der Dinge stĂ€rker als jede andere Logik«.

Hitler konnte in seiner Rede und auch sonst kein genaues Ziel seiner Eroberungspolitik angeben. Er zeigte sich als maßloser Abenteurer. Stalin dagegen benannte in seiner Ansprache am 6. November 1942 prĂ€zise und realistisch das Kriegsziel der Sowjet­union: »Unsere erste Aufgabe«, so Stalin, bestehe darin, »den Hitlerschen Staat zu vernichten«. Die »zweite Aufgabe« sei es, »die Hitlersche Armee und ihre FĂŒhrer zu vernichten«. Was Stalin bereits wusste, aber noch nicht öffentlich sagen konnte: Die seit September geplante Einkesselung der Wehrmacht in Stalingrad stand unmittelbar bevor.

Im Gegensatz zum prahlerischen Hasardeur Hitler erwies sich Stalin als nĂŒchtern kalkulierender Stratege mit einem GespĂŒr fĂŒr die langfristige SchwĂ€che des noch ĂŒberlegenen Feindes. Das wurde damals selbst in den USA anerkannt. Das US-Magazin Time setzte Stalin im Januar 1943 auf den Titel, als »Man of the year«.


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NEUER BEITRAG01.02.2023, 23:23 Uhr
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Wirkungen bis heute

Die FĂ€higkeiten der sowjetischen FĂŒhrung wurden im Herbst 1942 auch 5.000 Kilometer östlich von Stalingrad gewĂŒrdigt. Am 12. Oktober 1942, mehr als einen Monat, bevor die Rote Armee die Wehrmacht in Stalingrad einkesselte, schrieb Mao Zedong in der in Yenan im Norden Chinas erscheinenden Tageszeitung DjiĂ€nfang Jibao eine hellsichtige Prognose. Im »Auftreten der gesamten faschistischen KrĂ€fte« sei die »Offensive gegen Stalingrad ihr letzter Verzweiflungskampf«. Die Hitlertruppen seien in Stalingrad »in eine ausweglose Lage« und »in eine Sackgasse« geraten. Das neue Stadium des Krieges, »das in diesem Winter beginnt, wird Hitler ins Grab bringen«. Denn die »weise strategische FĂŒhrung Stalins« habe »voll und ganz die Initiative inne«. Die Schlacht in Stalingrad sei »nicht nur der Wendepunkt im gegenwĂ€rtigen Weltkrieg gegen den Faschismus, sondern auch ein Wendepunkt in der gesamten Menschheitsgeschichte«.

Mao, dessen Sohn Anying ab 1943 in den Reihen der Roten Armee kÀmpfte, sah nicht nur den Untergang Hitlers voraus. Er verstand zudem, dass sich in der Stadt an der Wolga auch das Schicksal Chinas entschied. Aus heutiger Sicht bedeutet dies: Die sowjetischen Sieger von Stalingrad haben nicht nur die Wende im Weltkrieg, sondern auch in der Weltpolitik eingeleitet, die fortwirkt bis auf den heutigen Tag.


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NEUER BEITRAG04.02.2023, 13:32 Uhr
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80 J. Sieg der Roten Armee bei Stalingrad Nachtrag - jW heute:

Klassiker

»Totale Mobilmachung«

Nach der Niederlage in Stalingrad: Die Schlacht an der Wolga löste in Deutschland eine Krise des faschistischen Systems aus

Auszug aus: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Band 5. Von Januar 1933 bis Mai 1945. Kapitel XI: Der grundlegende Umschwung im Zweiten Weltkrieg. Der Beginn und die VerschĂ€rfung der politischen Krise in Deutschland. Dietz-Verlag, Berlin 1966, Seiten 339–341

Nach der Stalingrader Schlacht reifte in Deutschland eine innenpolitische Krise heran, die im Laufe des Jahres 1943 immer empfindlicher spĂŒrbar wurde. (
) Ein Ausdruck der tiefen Krise des Hitlerregimes waren die mit der »totalen Mobilmachung« Anfang 1943 eingeleiteten einschneidenden politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen der Hitlerregierung, die den Versuch darstellten, aus der Krise herauszukommen und den Krieg doch noch zugunsten Hitlerdeutschlands zu wenden. Diese Maßnahmen verfolgten das Ziel, die RĂŒstungsproduktion maximal zu steigern, die dafĂŒr notwendigen Rohstoffe in Deutschland und den okkupierten LĂ€ndern sicherzustellen sowie zusĂ€tzliche Menschenreserven fĂŒr die Hitlerwehrmacht und die Kriegswirtschaft freizumachen. Sie verschĂ€rften die Ausbeutung der Arbeiterklasse noch mehr und bauten das militĂ€rische Zuchthausregime aus. Sie festigten die Macht der herrschenden RĂŒstungsmonopole und fĂŒhrten zu einer völligen Verschmelzung der Macht der Monopole mit der faschistischen Staatsmacht.

Die »totale Mobilmachung« wurde von Joseph Goebbels (1897–1945, Reichsminister fĂŒr Propaganda und Vertrauter Hitlers, jW) am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast vor Tausenden fanatisierter Nazis angekĂŒndigt. Er drohte mit »drakonischen Strafen« gegen alle, die nicht vorbehaltlos und willig den faschistischen Machthabern folgen wĂŒrden. Die »totale Mobilmachung« sollte die ungeheuren Material- und Menschenverluste an der deutsch-sowjetischen Front ausgleichen, das Volk noch enger an den Krieg des deutschen Imperialismus ketten und den Terror gegen jene verstĂ€rken, die am »Endsieg« des faschistischen Deutschlands zu zweifeln begannen. FĂŒr alle MĂ€nner von 16 bis 65 Jahren und fĂŒr alle Frauen von 17 bis 45 Jahren wurde die Arbeitspflicht eingefĂŒhrt, um die kriegsdienstfĂ€higen MĂ€nner fĂŒr den Einsatz an der Front freizumachen. Die Registrierung der arbeitsfĂ€higen Bevölkerung, die der GeneralbevollmĂ€chtigte fĂŒr den Arbeitseinsatz durchfĂŒhrte, stieß auf den Widerstand vieler WerktĂ€tiger. Es wurden etwa zwei Millionen Menschen zusĂ€tzlich fĂŒr die Front beziehungsweise fĂŒr die Kriegswirtschaft mobilisiert. Die Hitlerwehrmacht konnte verstĂ€rkt und im Jahre 1943 bis auf 11,2 Millionen Mann gebracht werden.

Die »totale Mobilmachung« richtete sich auch gegen die Mittelschichten des Volkes. Die Faschisten schlossen weitere Zehntausende kleiner Betriebe, HandwerksstĂ€tten und GeschĂ€fte. Ihre EigentĂŒmer wurden zur Arbeit in den großen Kriegsbetrieben gezwungen. Aber auch die mittleren Betriebe, die die starken monopolistischen VerbĂ€nde nicht zu den kriegswichtigen Betrieben zĂ€hlten, mussten ArbeitskrĂ€fte abgeben und ihre Produktion einschrĂ€nken. (
)

Mit der »totalen Mobilmachung« der Menschenreserven war zugleich eine neue Steigerung der Kriegsproduktion, insbesondere der Produktion von Flugzeugen und schweren Panzern, vorgesehen. Zu diesem Zweck verfĂŒgte die Hitlerregierung die weitere Konzentration der Kriegswirtschaft. Die fĂŒhrenden Monopole erhielten in der Leitung der RĂŒstungsproduktion immer mehr Vorrechte. Albert Speers (1905–1981, seit 1942 Reichsminister fĂŒr Bewaffnung und Munition, jW) Ministerium wurde umbenannt in »Ministerium fĂŒr RĂŒstung und Kriegsproduktion«. Seine Vollmachten wurden erweitert. Es verteilte nunmehr nicht nur die RĂŒstungsauftrĂ€ge, sondern auch die Rohstoffe an die Betriebe. Außerdem leitete es die Betriebe, die frĂŒher zum Bereich des Wirtschaftsministeriums gehört hatten. Die»Zentrale Planung« regulierte die Arbeit ganzer Industriezweige. Das Ministerium Albert Speers verwandelte sich so in einen leitenden Trust riesigen Ausmaßes mit uneingeschrĂ€nkten Rechten. Ein kleiner Kreis von VertrauensmĂ€nnern der mĂ€chtigsten RĂŒstungskonzerne hatte alle SchlĂŒsselpositionen besetzt. (
)

Eine kleine Schicht von Industrie- und Finanzmagnaten scheffelte ungeheure Profite. (
) Gewaltige Profite zogen die RĂŒstungskonzerne aus der Sklavenarbeit der auslĂ€ndischen Zwangsarbeiter. Bis Ende Mai 1943 wurden nach Deutschland 12,1 Millionen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene verschleppt. Davon wurde etwa die HĂ€lfte zu Tode geschunden. Ende 1943 waren allein der Friedrich Krupp AG 55.000 und bei der IG Farbenindustrie sogar 58.000 Zwangsarbeiter beschĂ€ftigt. Solche Konzerne wie IG Farbenindustrie, Krupp und Siemens errichteten Zweigstellen ihrer Werke in unmittelbarer NĂ€he der Konzentrationslager. (
) Die barbarische und gesteigerte Ausbeutungspolitik »Vernichtung durch Arbeit«, die die Hitlerfaschisten systematisch in den Konzentrationslagern verwirklichten, war ein Bestandteil der »totalen Mobilmachung« und der nazistischen KriegfĂŒhrung ĂŒberhaupt.


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