EN
       
 
0
unofficial world wide web vanguard
posts in a different language!no entries for your choosen language (english) found. Please select a different system language to show this thread!
NEUES THEMA13.02.2022, 16:38 Uhr
EDIT: FPeregrin
13.02.2022, 16:42 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

• Zur Geographie des Schwarzen Todes wissenschaft.de vorgestern:
Der Schwarze Tod

Die Pest wĂŒtete regional stark unterschiedlich

11. Februar 2022

Der Schwarze Tod im Spiegel landwirtschaftlicher AktivitĂ€t: Aus Analysen von Pollen-Ablagerungen aus 19 LĂ€ndern geht hervor, dass die schlimmste bekannte Pestwelle verschiedene Bereiche Europas sehr unterschiedlich heimsuchte: WĂ€hrend der Sensenmann in einigen Regionen tatsĂ€chlich stark wĂŒtete, waren andere offenbar erstaunlich wenig betroffen. Die genauen GrĂŒnde fĂŒr die Unterschiede bleiben unklar. Doch vermutlich spielten kulturelle, ökologische, ökonomische und klimatische Faktoren eine Rolle bei den regionalen Entwicklungen, sagen die Forscher.

Heute macht uns die Covid-19-Pandemie schwer zu schaffen. Doch in der Menschheitsgeschichte haben noch viel schlimmere Infektionskrankheiten gewĂŒtet, allen voran die Pest. Verschiedene Ausbreitungswellen haben dabei Europa, Westasien und Nordafrika heimgesucht. Als die folgenreichste Pest-Pandemie gilt der sogenannte Schwarze Tod: Zwischen 1347 und 1352 starben Millionen von Menschen und es kam in der Folge zu vielfĂ€ltigen gesellschaftlichen BrĂŒchen in Europa. Dadurch hat sich dieser Seuchenzug besonders intensiv ins GedĂ€chtnis der Menschheit eingeprĂ€gt.

Untersuchungen konnten bereits den bakteriellen Erreger Yersinia pestis als den Verursacher der Pest identifizieren und Rattenflöhe, die auch den Menschen befielen, als wichtige ÜbertrĂ€ger. Einigen SchĂ€tzungen zufolge könnte der Schwarze Tod fast die HĂ€lfte der europĂ€ischen Bevölkerung dahinrafft haben. Dabei wird mitunter eine vergleichsweise gleichmĂ€ĂŸige Ausbreitung der Krankheit angenommen. Es gab allerdings bereits Hinweise darauf, dass deutliche regionale Unterschiede vorlagen. Historische Überlieferungen und archĂ€ologische Untersuchungen zeichnen jedoch nur ein unklares Bild der tatsĂ€chlichen demografischen Auswirkungen der Seuche in den verschiedenen Bereichen Europas.

Deutliche Unterschiede zeichnen sich ab

Um neue Hinweise auf die damalige Pest-MortalitĂ€t zu erhalten, hat ein internationales Forscherteam nun die Entwicklung der landwirtschaftlichen AktivitĂ€t in der relevanten Zeit untersucht. Als Indiz dazu dienten den Wissenschaftlern Analysen von Pollen-Ablagerungen aus dem spĂ€ten Mittelalter: Sie untersuchten 1634 Proben von 261 Untersuchungsorten aus 19 LĂ€ndern Europas. Dadurch konnte das Team bestimmen, welche Pflanzen in welchen Mengen im relevanten Zeitraum angebaut wurden und ob sich Wildpflanzen auf verlassenen Feldern wieder ausbreiteten konnten. Dadurch waren RĂŒckschlĂŒsse drauf möglich, inwieweit der Ackerbau im Rahmen der Pandemie eingeschrĂ€nkt wurde und somit auch, wie stark die jeweilige Region von der Pest betroffen war.

Wie die Forscher berichten, geht aus den Ergebnissen hervor, dass die Pest in den verschiedenen Bereichen Europas stĂ€rker unterschiedlich gewĂŒtet hat als bisher angenommen. Einen besonders starken RĂŒckgang landwirtschaftlicher AktivitĂ€t erlebten demnach Skandinavien, Frankreich, SĂŒdwestdeutschland, Griechenland und Mittelitalien. Dies passt zu mittelalterlichen Quellen, die von sehr hohen Bevölkerungsverlusten in diesen Bereichen berichten. Doch nun wird deutlich, dass dies offenbar im Gegensatz zu anderen Regionen stand: Teile Westeuropas, darunter Irland und die Iberische Halbinsel und Gebiete in Zentral- und Osteuropa zeigten Anzeichen fĂŒr KontinuitĂ€t und sogar ununterbrochenes Wachstum in der Landwirtschaft. Demnach kam es dort offenbar nicht zu den drastischen Bevölkerungsverlusten.

Komplexe Pandemie-Entwicklung

„Die Studie entkrĂ€ftet damit Ansichten ĂŒber den Schwarzen Tod, die davon ausgehen, dass Yersinia pestis in ganz Europa nahezu gleichmĂ€ĂŸig verbreitet war und dass die Pandemie ĂŒberall verheerende demografische Auswirkungen besaß“, schreiben die Wissenschaftler. Neben den Einblicken in die Verbreitung der Pest ergeben sich ihnen zufolge auch Hinweise fĂŒr Historiker: „FĂŒr Regionen wie Böhmen, Ungarn und Polen bestĂ€rken die Ergebnisse der Studie die Annahme, dass deren BlĂŒteperiode ab 1350 nicht zuletzt mit dem Ausbleiben des Schwarzen Todes zu tun haben könnte“, sagt Co-Autor Martin Bauch vom Leibniz-Institut fĂŒr die Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig.

Es zeichnet sich also ĂŒberraschend deutlich ab, wie regional unterschiedlich sich die Pandemie damals ausgewirkt hat. Doch warum? „Diese signifikante VariabilitĂ€t in der MortalitĂ€t muss erst noch vollstĂ€ndig erklĂ€rt werden. Doch wahrscheinlich hatten lokale Gegebenheiten einen Einfluss auf die Verbreitung, die Infektionsrate sowie die Sterblichkeit durch den Erreger Yersinia pestis“, sagt Seniorautorin Alessia Masi vom Max-Planck-Institut fĂŒr Menschheitsgeschichte in Jena und der UniversitĂ€t La Sapienza in Rom. Offenbar waren demnach auch die mittelalterlichen PestausbrĂŒche von einer Dynamik geprĂ€gt, bei der insbesondere kulturelle, ökologische, ökonomische und klimatische Faktoren eine Rolle spielten.

Die Wissenschaftler hoffen, dass zukĂŒnftige Studien aufklĂ€ren können, wie diese Variablen bei der Entstehung vergangener Pandemien zusammenwirkten – und damit möglicherweise auch, wie sie heutige VerlĂ€ufe prĂ€gen. Erst-Autor Adam Izdebski vom Max-Planck-Institut fĂŒr Menschheitsgeschichte stellt dabei auch konkret den Bezug zu Covid-19 her: „Was wir wĂ€hrend der Corona-Pandemie erlebt haben, konnten wir auch fĂŒr die damaligen PestausbrĂŒche zeigen: Pandemien sind komplexe PhĂ€nomene, die auch immer regionale und lokal unterschiedliche AusprĂ€gungen aufweisen“, resĂŒmiert der Wissenschaftler.

Quelle: Leibniz-Institut fĂŒr Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), Max-Planck-Institut fĂŒr Menschheitsgeschichte, Fachartikel: Nature Ecology & Evolution, doi: 10.1038/s41559-021-01652-4


Link ...jetzt anmelden!
JPG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! Pest_Pandemie-990x652.jpg
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
Moskovskaya: imp. Markenpiraterie
7
Das Traurige daran ist, daß dieser Vodka eigentlich auch ein sehr leckeres Gesöff ist, aber fĂŒr "Putin-VersteherInnen", "W...more arktika 20.10.2022
FPeregrin 15.10.2022
FPeregrin 15.10.2022
Nach 31 Jahren: GBM stellt TĂ€tigkeit ein!
3
>>>>> Gegen Ignoranz und Dummheit Am 3. Juni 1996 berichtete das ND darĂŒber, dass die GBM eine Beschwerde ĂŒber Mensch...more arktika NEW 14.12.2022
arktika NEW 14.12.2022
arktika NEW 14.12.2022
Armenien, Aserbaidschan und Bergkarabach
3
>>>>> Hayk Khalatyan (ARM): Aserbaidschan nutzt erneut ein gĂŒnstiges internationales Umfeld, in dem die Aufmerksamkeit Ru...more arktika 28.11.2022
arktika 28.11.2022
arktika 28.11.2022
Westbank: zionistische Vertreibungspolitik
Israel setzt auf der Westbank gerade zur grĂ¶ĂŸten Vertreibung seit 1967 an. Konnte man sich damals - und davor - vielleicht ...more FPeregrin 14.06.2022
jW-Beilage: China
Die Beilage "China" in der jW von morgen hier: FPeregrin 03.05.2022