EN
       
 
0
unofficial world wide web vanguard
posts in a different language!no entries for your choosen language (english) found. Please select a different system language to show this thread!
NEUES THEMA30.12.2020, 16:53 Uhr
EDIT: arktika
30.12.2020, 17:02 Uhr
Nutzer / in
arktika

• Zur Geschichte des Warenhauses in Deutschland Ein Zweiteiler auf der Themenseite der jW: Zur Geschichte des Warenhauses in Deutschland von Daniel Bratanovic, veröffentlicht am 24.12. und am 28.12.2020.

Teil 1:
Tempel der Massengesellschaft
Die stĂŒrmische kapitalistische Entwicklung brachte um die Jahrhundertwende neue Betriebsformen des Einzelhandels hervor. Sie wurden zu »WallfahrtsstĂ€tten zum Fetisch Ware«. Zur Geschichte des Warenhauses in Deutschland (Teil 1)


Wir mischen Handel mit Gebet,

die Kunst im Dienst des Kaufmanns steht.

Es war einmal, doch jetzt ist’s aus,

Walhalla ist ein Warenhaus.

(Karl Kraus)


Die TĂŒren verriegelt, die eisernen Gitter vorgeschoben, der Laden dicht. An das entwĂŒrdigende Schauspiel erinnert nichts. Kurz bevor die Lichter endgĂŒltig ausgingen, hatten sich hier noch Rotten von SchnĂ€ppchenjĂ€gern in eine gnadenlose Rabattschlacht gestĂŒrzt, hatten Angestellte, die erschöpft ihre letzten Schichten vor der Entlassung schoben, beschimpft und beleidigt und den Rivalen die sicher geglaubte TrophĂ€e, die Spottpreisware, wieder entreißen wollen. Es ging um nichts weniger als das letzte Hemd. Der große Ausverkauf hatte im Juli begonnen, das gesamte Sortiment wanderte zum um bis zu 70 Prozent reduzierten Preis ĂŒber den Ladentisch. »Alles muss raus!« Mitte Oktober war Schluss. Der Kaufhof in der Hamburger Mönckebergstraße ist nicht mehr.

So wie in der Hansestadt schließt die Galeria Karstadt-Kaufhof GmbH in diesen Monaten im gesamten Bundesgebiet mehr als 40 ihrer rund 170 noch ĂŒbriggebliebenen Filialen – von Flensburg bis MĂŒnchen, von Trier bis Berlin. Bis zu 5.000 BeschĂ€ftigte werden auf kurz oder lang ihren Job verlieren. Der im Schatten der Coronakrise ausgefĂŒhrte Kahlschlag bildet den vorlĂ€ufigen Tiefpunkt einer langen Niedergangsgeschichte, die noch nicht auserzĂ€hlt ist. Das Warenhaus stirbt einen langsamen Tod.

Das Handelsblatt zitiert einen »Branchenkenner«, der Handelsunternehmen berufsmĂ€ĂŸig berĂ€t: »In Deutschland gibt es nur noch Platz fĂŒr maximal 100 WarenhĂ€user im derzeitigen Format. Die Schließungen, die wir jetzt sehen, wĂ€ren so oder so gekommen – nur nicht so schnell.« Wenige Tage zuvor (am 10. Oktober 2020) lautete eine verrĂ€terische Schlagzeile des Wirtschaftsblatts: »Viele ImmobilieneigentĂŒmer geben dem Warenhaus keine Chance mehr«.

Kalkulierter Ruin

Im gegenwĂ€rtigen Stadium des fortschreitend faulenden Kapitalismus sind Grund und Boden kaum mehr das Mittel zum Zwecke einer Unternehmung, sondern immer hĂ€ufiger der Zweck selbst. Mit der Ursupation des Grund- und Immobilieneigentums verwerten Kapitalgesellschaften – Immobilienfonds bzw. Real-Estate-Investment-Trusts – das eingesetzte Kapital, indem sie auf steigende Bodenrenten in den StĂ€dten spekulieren. Der Weiterbetrieb der zentral gelegenen WarenhĂ€user gerĂ€t demgemĂ€ĂŸ bestenfalls zur lĂ€stigen Nebensache, derer man sich schnell zu entledigen hat, da sie die Renditeerwartung dĂ€mpft.

Nachdem der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay im Herbst 2015 seinem deutschen Pendant Metro Group die Warenhauskette Kaufhof abgekauft hatte, trennte er 41 der erworbenen Immobilien gesellschaftsrechtlich vom Warenhausunternehmen und ĂŒberfĂŒhrte sie in eine eigene Gesellschaft. Diese HBC Global Properties verlangte den HĂ€usern – wie dem in der Hohe Straße in Köln oder dem am Berliner Alexanderplatz – nun mitunter einen mehr als doppelten Mietpreis ab. Ein kalkulierter Ruin. Als dann die Signa-Holding des österreichischen Immobilienspekulanten RenĂ© Benko, die schon 2014 die angeschlagene Karstadt Warenhaus GmbH vom Finanzinvestor Nicolas Berggruen ĂŒbernommen hatte, 2018 die gezielt heruntergewirtschafteten Kaufhof-HĂ€user erwarb, blieb der Zweck derselbe. Die SĂŒddeutsche Zeitung fĂŒhlte sich im September 2019 in den gebĂŒrtigen Innsbrucker EinkĂ€ufer so ein: »Die Immobilien sind dem österreichischen Unternehmer RenĂ© Benko so viel wert, dass er dafĂŒr sogar das schwierige WarenhausgeschĂ€ft auf sich nimmt.«Âč

Kalkulierter Ruin, ein paar ZugestĂ€ndnisse, neue PlĂ€ne. FĂŒr das vage Versprechen, drei Karstadt-Filialen in Berlin (in den Ortsteilen Charlottenburg, Wedding und Tempelhof) eine Gnadenfrist von weiteren drei bzw. fĂŒnf Jahren zu gewĂ€hren, bedingte sich die Signa-Holding vom Senat unter Umgehung bezirklicher Belange die Zusage aus, die Karstadt-HĂ€user am KurfĂŒrstendamm und am Hermannplatz komplett neu bauen zu dĂŒrfen. Dort, an der Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg, plant das Unternehmen, das zwischen 1927 und 1929 errichtete und von SS-Truppen im April 1945 gesprengte Warenhaus in seiner historischen Gestalt wiederauferstehen zu lassen. Abgesehen von der betrĂŒblichen Feststellung einer niederschmetternden stadtplanerischen Einfallslosigkeit zwischen penibler Rekonstruktion und feindseliger Schießschartenarchitektur – in ihrer absurden Symbiose zu besichtigen am Berliner Schloss: Am fabrikneuen Barock klebt ein »monumentales Abluftgitter« (Niklas Maak) –, dĂŒrfte der gigantische Neubau die Gentrifizierung des Kiezes weiter beschleunigen, aber mit dem ĂŒberkommenen Warenhaus nicht viel mehr gemein haben als den Standort. Die Sehnsucht nach der Wiederherstellung vergangener Herrlichkeit, die bloße HĂŒlle ohne Inhalt bleiben muss, Nekromantie des StĂ€dtebaus, ist das Kennzeichen dieses Zeitalters der rastlosen Langeweile.

»Etwas Fremdes, Feindliches«

Damals, 1929, stellte Karstadts Konsumkathe­drale am Hermannplatz alle anderen in den Schatten. »Die WarenhaustrĂ€umer trĂ€umten von einem Wolkenkratzer. Und so bauten sie eines Tages das ganz große Warenhaus (
). Die alten und nur großen WarenhĂ€user sind klein dagegen und beinahe simple KauflĂ€den«, schrieb Joseph Roth Anfang September 1929 in den MĂŒnchner Neuesten Nachrichten. Doch das »ganz große Warenhaus«, bei seiner Fertigstellung das grĂ¶ĂŸte Europas, in seinem architektonischen Stilgemisch aus Neugotik, Expressionismus und Art dĂ©co mit seinen beiden trutzig drohenden TĂŒrmen samt LichtsĂ€ulen obendrauf stand unter keinem guten Stern. Gut sechs Wochen nach Roths Artikel, am 24. Oktober, dem Black Thursday, krachte an der Wall Street die Börse zusammen. Die Schockwellen erreichten Europa und drĂŒckten auch die Rudolph Karstadt AG an den Rand des Bankrotts. Die infolge der Weltwirtschaftskrise in Massen erwerbslos gewordenen Proletarier Neuköllns und Kreuzbergs fielen als Kundschaft der Flagschiffiliale am Hermannplatz aus. In der Hetzschrift eines NSDAP-Mannes aus dem Jahre 1932, am Höhepunkt der Krise, hieß es in demagogischer Anbiederung: »Mitten in einem Arbeiterviertel, dessen Bewohner eben gerade noch das Dasein fristen, deren Elend bis zum Himmel schreit, erhebt sich dieses Monstrum von einem WĂŒrgepalast fast abseits vom Verkehr der Großstadt.«

Nicht nur dieser »WĂŒrgepalast« war den Nazis zuwider, das Warenhaus als Betriebsform an sich verfiel ihrer radikalen Ablehnung (freilich nur solange, das ist der Pragmatismus des Faschismus, wie man ihnen noch nicht die Macht ĂŒbertragen hatte und sie die »falschen« EigentĂŒmer noch nicht enteignet, verbannt oder ermordet hatten, doch dazu spĂ€ter). Die Verachtung hatten die Faschisten allerdings nicht exklusiv, und sie waren keineswegs die ersten, sondern konnten vielmehr auf Vorbilder und Vorarbeiter zurĂŒckblicken. Die Front der Warenhausgegner hatte sich schon bald nach dem ersten Aufkommen solcher GeschĂ€fte im Kaiserreich formiert. In einer Streitschrift von 1899 mit dem Titel »Zum Kampfe gegen die WaarenhĂ€user!« steht folgendes zu lesen: »Es muss in der ganzen Waarenhausfrage etwas stecken, was dem Empfinden unserer Volksseele zuwiderlĂ€uft. (
) Die WaarenhĂ€user mĂŒssen unserem Volke als etwas Fremdes, Feindliches erscheinen, das bekĂ€mpft, das ausgerottet zu werden verdient.« Das Fremde und das Feindliche erhielt rasch einen Namen und eine Geschichte. Die damalige Warenhausfeindschaft, soll das heißen, war in Deutschland – anders als in anderen Industrienationen – von Anfang an und durch und durch antisemitisch eingefĂ€rbt.


>>>>>
NEUER BEITRAG30.12.2020, 16:59 Uhr
EDIT: arktika
30.12.2020, 17:07 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Warum aber zog jenes GeschĂ€ftsprinzip diese hasserfĂŒllte Ablehnung auf sich? Wer glaubte sich weshalb bedroht? Und allgemein: Was sagen beide – das Warenhaus und seine Gegner – ĂŒber die VerĂ€nderungen der bĂŒrgerlichen Gesellschaft aus? Die Kapitalakkumulation, einmal von ihren Fesseln befreit, wĂ€lzte jahrhundertealte Verkehrsformen um, ließ alles Stehende verdampfen, ersetzte Schritt fĂŒr Schritt die feudale StĂ€ndeordnung. Die Industrie ließ zĂŒnftiges Handwerk und protoindustrielle Manufaktur hinter sich, die industrielle Massenproduktion verdrĂ€ngte die handwerkliche Fertigung. Warenproduktion und -zirkulation wurden zur herrschenden Form des gesellschaftlichen Stoffwechsels. Proletarisierung, Bevölkerungswachstum und die Wanderung in die StĂ€dte verlangten den Wandel der Distributionsformen, forderten, das Problem des Warenabsatzes in der entstehenden Massengesellschaft zu lösen. Das Angebot an VerbrauchsgĂŒtern erreichte gegen Ende des 19. Jahrhunderts dank der ProduktivitĂ€tssteigerungen ein zuvor nie gekanntes Ausmaß. Doch der Einzelhandel löste sich derweil nur langsam aus seinen Bindungen an ĂŒberlieferte Formen und Methoden der Warenvermittlung. Der Kaufmann war in ein Korsett informeller Regeln eingezwĂ€ngt, aus dem auszubrechen den Verlust seiner Ehrbarkeit bedeutet hĂ€tte. Er dachte nicht in Kategorien wie Gewinn und Expansion, grĂŒndete seine Existenz auf einen festen Abnehmerkreis von KĂ€ufern, die er nicht mit Reklame lockte, feilschte mit ihnen um die Preise und gewĂ€hrte jederzeit Kredit. Der KleinhĂ€ndler war zum Anachronismus geworden und hatte es noch nicht bemerkt.

Kein Zufall daher, dass die Neuerungen von GeschĂ€ftsleuten kamen, die außerhalb dieser alten Ordnung standen. Bis auf Rudolph Karstadt waren die GrĂŒnder der ersten WarenhĂ€user im Kaiserreich um die Jahrhundertwende Juden. »Sie waren nicht integriert in die enge, nahezu zunftmĂ€ĂŸig aufgebaute regionale Kaufmannschaft, weder familiĂ€r noch als gleichwertige GeschĂ€ftspartner.«ÂČ Diese »traditionslosen« Kaufleute – Wertheim und Tietz in Stralsund, Karstadt in Wismar – erkannten angesichts der Erfolge im Ausland – in Frankreich, den USA und Großbritannien hatte sich das Warenhaus bereits gegen Mitte des 19. Jahrhunderts etabliertÂł – das GeschĂ€ftspotential, das die neue Betriebsform bot, und mussten keine Sanktionen fĂŒrchten, da sie nicht Teil der korporatistisch verfassten Kaufmannschaft waren.

»Großer Umsatz, kleiner Nutzen«

Die industrielle Massenfertigung verbilligte die einzelne Ware, und den Herstellern musste daran gelegen sein, ihre massenhaften Erzeugnisse rasch abzusetzen. Die »neuen« HĂ€ndler nun traten in Verhandlungen mit den Produzenten und garantierten entgegen dem tradierten GeschĂ€ftsgebaren die direkte Abnahme grĂ¶ĂŸerer Mengen zum geringeren Preis pro StĂŒck, wobei die Waren dann an den Endverbraucher, der sofort bezahlen musste, zu Festpreisen weiterverkauft wurden. Diese Ausschaltung des Zwischenhandels bildete die Grundlage fĂŒr das Warenhaus. Um saisonbedingte Schwankungen der Nachfrage auszugleichen, erweiterten die ehemaligen DetailhĂ€ndler (zumeist spezialisiert auf Textilwaren) sukzessive ihr Sortiment, so dass der Typus des alten Gemischtwarenladens wiederkehrte, allerdings auf ganz anderer Stufenleiter. In seinem 1883 beendeten Roman »Au bonheur des dames« lĂ€sst Émile Zola den Inhaber eines Pariser ModewarengeschĂ€ftes, der es zu einem »gigantischen Warenhaus« ausbauen will, einem Bankier das GeschĂ€ftsprinzip erklĂ€ren: Der »Handel basiere jetzt auf der ununterbrochenen und raschen Umsetzung des Kapitals, wobei es darum gehe, dieses so oft wie möglich innerhalb eines Jahres in Waren zu verwandeln 
 â€șSehen Sie, Herr Baron, das ist der ganze Mechanismus. Es ist höchst einfach, aber man muss es erst herausfinden. Wir bedĂŒrfen keines großen Betriebskapitals. Wir mĂŒssen uns lediglich bemĂŒhen, uns sehr schnell der eingekauften Waren zu entledigen, um sie durch andere zu ersetzen, was ebensooft die Verzinsung des Kapitals mit sich bringt. Auf die Art können wir uns mit einem kleinen Gewinn begnĂŒgen. Da unsere Allgemeinkosten den ungeheuren Satz von sechzehn Prozent erreichen und wir bei den Artikeln kaum zwanzig Prozent Gewinn einrechnen, ergibt das einen Reingewinn von höchstens vier Prozent; nur werden daraus doch Millionen, wenn man mit erheblichen Warenmengen arbeitet, die unaufhörlich erneuert werden. (
) Sie verstehen, nicht wahr? Es gibt nichts Einleuchtenderes.â€č Der Baron schĂŒttelte abermals den Kopf. (
) â€șIch verstehe schonâ€č, erwiderte er. â€șSie verkaufen billig, um viel zu verkaufen, und verkaufen viel, um billig zu verkaufen.â€č«

Zolas Naturalismus traf die Wirklichkeit recht grĂŒndlich. Schnellerer Umschlag unter der Devise »Großer Umsatz, kleiner Nutzen« – nach dieser Maßgabe eroberten Wertheim, Tietz und Karstadt von den RĂ€ndern des Reiches her in Windeseile die Ballungszentren. Georg Wertheim konzentrierte sich auf Berlin und eröffnete dort binnen weniger Jahre gleich mehrere WarenhĂ€user, Oscar Tietz unter dem Namen seines Onkels Hermann im SĂŒden und im Osten, spĂ€ter dann ebenfalls in Berlin. Oscars Bruder Leonhard baute Filialen in der Rheinprovinz, Karstadt in Norddeutschland.


>>>>>
NEUER BEITRAG30.12.2020, 17:10 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Sakralbauten

Die WarenhĂ€user waren ein stupendes Novum, als eigenstĂ€ndiger Bautyp, aber vermutlich mehr noch als Aufenthalts- und Verweilorte, als »WallfahrtsstĂ€tten zum Fetisch Ware« (Walter Benjamin). »Wer das Haus Wertheim zum ersten Mal betritt«, schilderte Paul Göhre in einer zeitgenössischen Untersuchung von 1907 ĂŒber die mit Abstand grĂ¶ĂŸte und mehrfach erweiterte Wertheim-Filiale in der Leipziger Straße in Berlin, »empfĂ€ngt den Eindruck eines erdrĂŒckenden Gewirres. Menschen fast zu jeder Tageszeit in ununterbrochenen Strömen: unabsehbare, immer neue Reihen von VerkaufsstĂ€nden; ein Meer von Warenmassen ausgebreitet; Treppen, AufzĂŒge, Etagen, sichtbar wie die Rippen eines Skeletts; SĂ€le, Höfe, Hallen, GĂ€nge, Winkel, Kontore; Enge und Weite, Tiefe und Höhe, Farben, Glanz, Licht und LĂ€rm: ein ungeheures Durcheinander, scheinbar ohne Plan und Ordnung.« Hier wurde der Satz, mit dem Marx seine Kritik der politischen Ökonomie anheben lĂ€sst, erstmals wahrhaft anschaulich: »Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung.« Die Ware war endgĂŒltig die »Universalkategorie des gesamten gesellschaftlichen Seins« geworden (Georg LukĂĄcs) und das Warenhaus ihr funkelnder PrĂ€sentationsraum.

Bei solcher »Inthronisierung der Ware« (Benjamin) mit ihren »theologischen Mucken« (Marx) lag es nahe, diese Orte symbolisch aufzuladen, mit sakraler Metaphorik zu versehen: »Das Warenhaus als Tempel, in dem es nicht um Reinigung oder Selbstbestimmung geht, sondern um VerfĂŒhrung und Exzess; der Kapitalismus als Kultus, der auf universelle Verschuldung statt auf individuelle EntsĂŒhnung zielt, das Warenhaus als Kirche, in der nicht Gott, sondern einem Fetisch gehuldigt wird.«⁎ Den religiösen Konnotationen, zuerst von Zola in »Au bonheur des dames« forciert, entsprach die Architektur. Den schon erwĂ€hnten Göhre erinnerte bei Betrachtung der Wertheim-Filiale »der Eckbau am Leipziger Platz an einen gotischen Dom, die Hauptfront in der Leipziger Straße an die Front eines griechischen Tempels«. Ein Sakralbau, der den Gedanken an etwas GrĂ¶ĂŸeres, Ewiges verkörpern soll, zeichnet sich durch einen Zug nach oben aus. Dieser Vertikalismus war bei dem von den Architekten Alfred Messel entworfenen Wertheim-GebĂ€ude mit seinen hochstrebenden, vom Straßenniveau bis unter das Dach durch fĂŒnf Geschosse hindurchgehenden Pfeilern realisiert. Im Innern herrschten WeitrĂ€umigkeit und Helligkeit, an die Stelle tragender WĂ€nde traten zwischen den einzelnen Stockwerken schlanke SĂ€ulen. Den Mittelpunkt und ReprĂ€sentationsraum schlechthin bildete ein von einer Glasdecke ĂŒberwölbter, mit Marmor ausgekleideter Lichthof, der alle VerkaufsrĂ€ume miteinander verband und den Blick entgrenzte. Diese Bauform beherrschte die Innenarchitektur des Warenhauses in Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg fast ausnahmslos. Hier sollte der Kunde in die Warenwelt eintauchen, zwischen den Auslagen flanieren, an anderem Ort ein anderer werden. Jeder durfte eintreten, ein Kaufzwang, das war neu, herrschte nicht. Das Warenhaus machte »die Flanerie selber dem Warenumsatze nutzbar« (Benjamin). Die Verlangsamung der Laufkundschaft war ökonomisch kalkuliert, die Bedarfsweckung, weniger die Bedarfsdeckung, rĂŒckte hier in den Vordergrund. »Damit steigert sich das circensische und schaustĂŒckhafte Element des Handels ganz außerordentlich«, notierte Walter Benjamin in seinem »Passagen-Werk«.

So sehr auch der glanzvolle Schein dieser WeihestĂ€tten entsprechende Assoziationen weckte, die das Mystische, UnerklĂ€rliche, der Vernunft UnzugĂ€ngliche betonten – wer hinter die Kulissen blicken konnte und wollte, gelangte zu einer anderen Metapher. Der Fabrik auf der Ebene Produktion entsprach das Warenhaus auf der Ebene der Distribution. Hier wie dort herrschte ein bis weit in das 19. Jahrhundert hinein gĂ€nzlich unbekanntes verwissenschaftlichtes, rationalisiertes Arbeitsregime. Die komplexe Organisationsstruktur des Warenhauses war streng hierarchisch gegliedert, die Statistik als Methode der vollstĂ€ndigen Überwachung und Kontrolle der Arbeitsprozesse und der Arbeitsleistung wurde, wie Julius Hirsch in seiner Studie aus dem Jahr 1910 festhielt, »gleichsam das Nervenzentrum des Warenhauses. (
) Die Tages- und Monatsleistung jedes einzelnen Angestellten bis zum jĂŒngsten LehrmĂ€dchen hinab wird hier genau festgestellt.« Der »fast wissenschaftlich-automatisch funktionierende Großbetrieb« (so Georg Tietz, Sohn des GrĂŒnders der Tietz-WarenhĂ€user Oscar Tietz) war eine riesige Maschine, die ihren AnhĂ€ngseln, den Angestellten, den Takt der Arbeit vorgab. Leo Colze konstatierte in seiner Untersuchung »Berliner WarenhĂ€user« von 1908: »Der einzelne ist eine Nummer, die an ihren Platz gestellt wird und dort ihre Arbeit zu verrichten hat, ein kleines RĂ€dchen in dem Riesenmechanismus, das, wenn es unbrauchbar wird, durch ein neues ersetzt wird, um den Gang des Ganzen nicht zu hemmen.« Das disziplinĂ€re Regime, das widerspruchslosen Gehorsam verlangte, bildete dabei den Rahmen eines internalisierten Konkurrenzprinzips im Kampf um die besten Provisionen. In Manfred Georgs Roman »Aufruhr im Warenhaus« (1928) sagt der Filialchef: »Ich kann kein Personal gebrauchen, in dem sich einer auf den anderen verlĂ€sst. Das hemmt die AktivitĂ€t und die LeistungsfĂ€higkeit des einzelnen.« Und in Falladas Angestelltenroman »Kleiner Mann – was nun?« von 1932 heißt es an einer Stelle: »Ich kenne nur eine Art VerkĂ€ufer: die, auf deren Verkaufsblock abends recht hohe Zahlen stehen. Ich weiß, es gibt noch die mit den niedrigen Zahlen, aber ich sorge schon dafĂŒr, dass es die hier bald nicht mehr gibt.«

Entzaubert und verzaubert

Das Warenhaus hatte die alte Ordnung des Einzelhandels gehörig umgekrempelt. Mehr noch, es war der reprĂ€sentative Ausdruck einer binnen weniger Jahrzehnte entstandenen Konsum- und Massengesellschaft. Die kapitalistische Produktionsweise, endlich total geworden, hatte mit der Verwissenschaftlichung und Berechnung von Produktion, Distribution und Arbeitsorganisation die Welt entzaubert und zugleich auf neue Weise verzaubert, indem sich die Waren scheinbar verselbstĂ€ndigten und der Warenfetisch die tatsĂ€chlichen sozialen Beziehungen der Gesellschaftsmitglieder verschleierte. Das Unbehagen an dieser entpersonalisierten, anonymisierten Moderne, oft genug als Verlusterfahrung erzĂ€hlt, Ă€ußerte sich auf verschiedenen Feldern und fand rasch Schuldige. Das Warenhaus bot dafĂŒr eine ideale AngriffsflĂ€che. Dass die WarenhausgrĂŒnder des Kaiserreichs zumeist Juden waren, gab den Gegnern dieses Betriebstyps ein leichtes Ziel ihrer Agitation.


Anmerkungen

1 Die raschen EigentĂŒmerwechsel mit der wiederkehrenden Folge erheblicher ZugestĂ€ndnisse, Abstriche, ja einer Kapitulation der Belegschaft (Außerkraftsetzung bestehender TarifvertrĂ€ge, LohnkĂŒrzung, Entlassung) sind ein Hinweis auf die angedeuteten verĂ€nderten kapitalistischen VerhĂ€ltnisse, unter denen die kurzfristige Renditeerwartung der Eigner ĂŒberakkumulierten Kapitals die lĂ€ngerfristige, aber dennoch immer schon vom Druck der Profitrealisierung geformte Strategie frĂŒherer Kapitalunternehmungen komplett verdrĂ€ngt hat und unter denen das Schicksal der Belegschaften allerhöchstens noch so bedeutsam ist wie die Fußnote eines Zeitungsessays.

2 Simone Ladwig-Winters: Wertheim. Ein Warenhausunternehmen und seine EigentĂŒmer, MĂŒnster 1997, S. 30

3 Zu nennen sind vor allem Le Bon MarchĂ© in Paris, Macy’s in New York und Harrods in London.

4 Uwe Lindemann: Das Warenhaus. Schauplatz der Moderne, Köln 2015, S. 142


Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG30.12.2020, 17:14 Uhr
Nutzer / in
arktika

Zur Geschichte des Warenhauses in Deutschland Teil 2:
»Etwas Fremdes, Feindliches«
FĂŒr Antisemiten eine bedrohliche, »dem jĂŒdischen Wesen gemĂ€ĂŸe« Erscheinung, von den Nazis schließlich enteignet. Zur Geschichte des Warenhauses in Deutschland (Teil II und Schluss)


Mit der ErschĂŒtterung der Warenwirtschaft ­beginnen wir, die Monumente der Bourgeoisie als Ruinen zu erkennen, noch ehe sie zerfallen sind. (Walter Benjamin)

Die grundstĂŒrzenden Neuerungen, die das Warenhaus reprĂ€sentierte, handelten seinen Betreibern bald eine entschiedene Gegnerschaft ein und sorgten dafĂŒr, dass sich auch der Staat der Sache annahm, um seine weitere Ausbreitung einzudĂ€mmen. Der Erfolg der WarenhĂ€user, deren UmsĂ€tze rasant wuchsen, brachte die ĂŒbrigen kleinen EinzelhandelsgeschĂ€fte gegen die entlaufene Konkurrenz auf. Unter dem Eintrag »Mittelstandsbewegung« nennt »Meyers Großes Konversations-Lexikon« von 1908 einen zehn Jahre zuvor in Berlin gegrĂŒndeten »Bund der Handel- und Gewerbtreibenden«, der »unter andern Umgestaltung der Gewerbesteuer im progressiven Sinne, BekĂ€mpfung der Großbasare und FilialgeschĂ€fte, der Konsum- und Rabattsparvereine, der Offizier- und BeamtenwarenhĂ€user, hauptsĂ€chlich durch hohe Sondersteuern« fordere. Anschließend heißt es lapidar: »Auch in dieser Beziehung hat die Gesetzgebung den WĂŒnschen der Beteiligten schon vielfach Rechnung getragen.«

Diese Thron und Altar verpflichtete Mittelstandsbewegung nahm also erfolgreich so starken Einfluss auf die preußische Gesetzgebung, dass 1900 eigens eine Sonderbesteuerung der WarenhĂ€user verabschiedet wurde, die ab einer UmsatzgrĂ¶ĂŸe von 400.000 Mark griff. Dabei setzten sich die Autoren des Gesetzes der Schwierigkeit aus zu bestimmen, was ein Warenhaus ĂŒberhaupt sei. Der Rechtsakt definierte es dann als einen Ort, an dem Waren aus mehr als einer von vier Warengruppen verkauft werden. Diese Warengruppen waren derweil völlig willkĂŒrlich zusammengestellt. So gehörten zur Gruppe D zum Beispiel »CrocketspielgerĂ€te, »Cruzifixe« und »Deckengurte fĂŒr Pferde«. Solche Zuordnungsprobleme schuf man sich in Bayern erst gar nicht. In der Neufassung des bayerischen Gewerbesteuergesetzes von 1899 ist allgemein die Rede von »Waren, die ihrer Beschaffenheit nach verschiedenen Gattungen angehören«, bzw. von Erzeugnissen »verschiedener Industriezweige oder HandwerksgeschĂ€fte«. Klarer als im preußischen Gesetz wird allerdings ausgesprochen, warum die WarenhĂ€user zu einer Sondersteuer herangezogen wurden. »Das bayerische Gesetz postuliert (
) ein ĂŒberliefertes â€șHerkommenâ€č der Gewerbe, die in einer bestimmten Art und Weise â€șausgeĂŒbt zu werden pflegenâ€č, wobei eine gewisse â€șAusdehnungâ€č nicht ĂŒberschritten werden darf.«Âč Damit markierten die bayerischen Gesetzgeber eine Differenz zwischen einer traditionellen und als »normal« erachteten Gewerbeform und einem »anormalen«, parasitĂ€ren GeschĂ€ftsverfahren, das die ökonomische und soziale Ordnung stört und zersetzt.

Die Sondersteuern erzielten nicht den beabsichtigten Effekt einer SchwĂ€chung, sondern sorgten vielmehr dafĂŒr, dass den Betreibern der bestehenden WarenhĂ€user keine weitere Konkurrenz erwuchs – sie konnten nun ihr Sortiment beliebig erweitern, ohne weitere Sanktionen fĂŒrchten zu mĂŒssen. Der Erlass der Warenhaussteuer zeigte aber an, dass man hier vergeblich einer Entwicklung beizukommen versuchte, die der ĂŒberkommenen Einrichtung von Staat und Gesellschaft nicht mehr entsprach. Etwas war ins Rutschen geraten, das Althergebrachte verlorengegangen.

Die Sombart-Legende

Diesen Wandel zu Beginn des imperialistischen Zeitalters reflektierte die bĂŒrgerliche Gesellschaftslehre des Kaiserreichs als ein schroffes Gegeneinander von Tradition und Moderne. Ferdinand Tönnies konstruierte in seinem gleichnamigen Buch (1887), das lange Zeit das einflussreichste der deutschen Soziologie bleiben sollte, einen Gegensatz von »Gemeinschaft und Gesellschaft«. Diese galt ihm als tot und kĂŒnstlich, mechanisch, ja maschinenhaft, jene als organisch und lebendig, eintrĂ€chtig und harmonisch. An einer Stelle schreibt Tönnies: »So ist Großstadt und gesellschaftlicher Zustand ĂŒberhaupt das Verderben und der Tod des Volkes, welches umsonst sich bemĂŒht, durch seine Menge mĂ€chtig zu werden«. Die »irrationalistische Verzerrung«, die sich Tönnies mit der Schaffung seines Mythos von zwei einander entgegenwirkenden KrĂ€ften leistete, fasste Georg LukĂĄcs so zusammen: »Gemeinschaft« werde bei ihm »zur Gebietskategorie alles Vorkapitalistischen, zur Verherrlichung primitiver â€șorganischerâ€č ZustĂ€nde«. »Gesellschaft« wiederum »ist Kapitalismus – mit den Augen des romantischen Antikapitalismus«, ohne dass bei Tönnies, denn der war liberal, »eine Sehnsucht nach RĂŒckkehr zu ĂŒberwundenen gesellschaftlichen ZustĂ€nden, besonders nicht zum Feudalismus laut wird«. So wie er aber »die problematischen negativen ZĂŒge der kapitalistischen Kultur scharf hervorhebt«, so sehr unterstreicht er »zugleich jedoch die Unvermeidlichkeit, die Schicksalhaftigkeit des Kapitalismus«.

In ganz Ă€hnlichen Bahnen dachte ein anderer Vertreter des Fachs, der mit seinen Schriften viel unmittelbarer zum Stichwortgeber der Antiwarenhausagitation werden sollte. Noch ausgeprĂ€gter als bei Tönnies kommt bei Werner Sombart jener romantische Antikapitalismus zum Ausdruck, der in seinem Falle allerdings deutliche antisemitische ZĂŒge trĂ€gt. Die Entstehung des Kapitalismus, diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen, hat ihren gleichnishaften Ursprung in »einer Vertreibung aus dem feudal-handwerklichen â€șParadiesâ€č des Mittelalters« (
), die Menschen gehen fĂŒr ihn einen â€șfaustischenâ€č Pakt ein, der sie aus alten Bindungen herausdrĂ€ngt«.ÂČ Und so kann Sombart denn auch stipulieren: »Der vorkapitalistische Mensch: Das ist der natĂŒrliche Mensch« (»Der Bourgeois«, 1913). Eine herausragende Rolle bei der »Zerstörung alter Naturgebilde, alter Gebundenheiten, alter Schranken«, bei der Vertreibung »aus den stillen, organisch gewachsenen Liebes- und Gemeinschaftsbeziehungen« (»Der moderne Kapitalismus«, 1916) spielen nach seiner subjektivierten Darstellung objektiver Prozesse der gesellschaftlichen VerĂ€nderung insbesondere Juden, die er mit bestimmten stereotypen Charaktermerkmalen versieht: IntellektualitĂ€t, Zweckgerichtetheit, MobilitĂ€t, AnpassungsfĂ€higkeit, Unruhe und auch Geldgier, Schacherei, unsaubere GeschĂ€ftspraktiken, Verkauf von Waren minderer QualitĂ€t.Âł

Das Warenhaus nimmt in dieser antisemitisch grundierten VerlusterzĂ€hlung einen zentralen Platz ein. Dem »alten« Einzelhandel, von Sombart zum »familienhaften«, »persönlichen« und »beseelten« Betrieb verklĂ€rt, steht das »neue« Warenhaus – »entpersönlicht« und mit VerkĂ€ufern, »die ihren Waren ohne Liebe gegenĂŒberstehen« (»Das Warenhaus – ein Gebilde des hochkapitalistischen Zeitalters«, 1928) – gegenĂŒber, das in seiner Abweichung von der »Normalbetriebsweise« als angeblich jĂŒdische Erfindung gedeutet wird. In seiner 1911 veröffentlichten Schrift »Die Juden und das Wirtschaftsleben« entdeckt Sombart bei »den Juden« eine »Neigung« zur Vermischung unterschiedlicher Branchen, die sich schon dadurch zeige, »dass sich in ihren LĂ€den allerhand verfallene PfĂ€nder verschiedenartigster Natur (
) zum Verkauf aufhĂ€uften, die ohne jeden inneren Zusammenhang rein durch den Zufall hier zusammengefĂŒhrt waren«. Und er schließt: »Diese TrödellĂ€den – das Urbild des modernen Warenhauses – spotteten jeder zunftmĂ€ĂŸigen Gliederung und bedeuteten durch ihr bloßes Dasein eine bestĂ€ndige Auflehnung gegen die bestehende Ordnung von Handel und Gewerbe.« Die »Eigenart des Warenhausbesitzers«, indifferent »gegenĂŒber dem Sachinhalt seiner TĂ€tigkeit« zu sein, sei »eine jĂŒdischem Wesen gemĂ€ĂŸe Erscheinung«.

Sombarts Legende vom Verstoß gegen das kaufmĂ€nnische Ethos eingedenk der Unterstellung, Juden verkauften minderwertige Ware und tĂ€uschten den Kunden systematisch, ließ »ein komplexes wirtschaftliches Gebilde wie das moderne Warenhaus auf eine schlichte charakterologische Dimension zusammenschnurren«.⁎ Eine solche KomplexitĂ€tsreduktion, bei der angeblich unhintergehbare biologische bzw. ethnische Dispositionen behauptet wurden, sollte einem objektiven ökonomischen Prozess einen subjektiv Verantwortlichen zuweisen und bildete demgemĂ€ĂŸ das Muster der antisemitischen Diffamierung des Warenhauses.


>>>>>
NEUER BEITRAG30.12.2020, 17:18 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Antisemitische Tiraden

Auf welche Weise Antisemitismus und Mittelstandsideologie zusammengingen und zur weltanschaulichen Ausstattung organisierter Interessenpolitik wurden, zeigte der Reichsdeutsche Mittelstandsverband. Auf seiner GrĂŒndungsversammlung 1911 definierte er zwei maßgebliche Feinde des Mittelstands: die »goldene Internationale«, also das angeblich jĂŒdisch beherrschte internationale Finanzkapital, mit dem das »Weltjudentum« die Weltherrschaft anstrebe, und die »rote Internationale« der Arbeiterbewegung. Schon die Namenswahl machte deutlich, dass hier nicht bloß eine gesellschaftliche »Mittelklasse« angesprochen werden sollte. Der nicht zuletzt gegen das Warenhaus gerichtete Kampfbegriff »Mittelstand« entsprang vielmehr einer romantischen, vormodernen Vorstellung von einer festgefĂŒgten stĂ€ndisch verfassten Gesellschaft, in der jeder seinen Platz kennt und als gleichsam naturgegeben hinnimmt. »Mittelstand« bildete danach »geradezu den Rumpf einer wohlgeordneten Staatsgesellschaft«. In einer solchen Ordnung war kein Platz fĂŒr das bekĂ€mpfte Warenhaus als Betriebsform, dem von dieser Seite vorgeworfen wurde, wegen seiner »gleichmacherischen Verkaufsmethoden« die »weite Verbreitung des Socialismus« zu befördern. Mit dem Ziel, Handwerker und kleine Gewerbetreibende aus dem eher liberalen Hansabund zu lösen und in die eigenen Organisation zu fĂŒhren, hatte der streng antisozialdemokratische Verband durchaus Erfolg. Auch dank der UnterstĂŒtzung durch den Bund der Landwirte und den Centralverband deutscher Industrieller, mit denen er 1913 das gegen die Arbeiterbewegung gerichtete »Kartell der schaffenden StĂ€nde« schmiedete, gewann der Mittelstandsverband bis kurz vor Kriegsbeginn gut 500.000 Mitglieder und war damit deutlich stĂ€rker als der Hansabund.

Bei der GrĂŒndung und der politischen wie ideologischen Ausrichtung des Verbandes spielte der lupenreine Antisemit Theodor Fritsch eine maßgebliche Rolle, der folgerichtig auch einer der exponierten Propagandisten gegen das Warenhaus war. Fritsch, dessen »Handbuch der Judenfrage« (erstmals erschienen 1887 unter dem Titel »Antisemiten-Catechismus«) bis 1945 insgesamt 49 immer wieder aktualisierte und erweiterte Neuauflagen erlebte, wĂ€hnte mit der weiteren Ausbreitung des Warenhauses die »Volksgesundheit« in Gefahr: »Die sozialen Folgen dieser Entwicklung sind: Eintönigkeit, Entartung und allmĂ€hliches Verschwinden des Ă€sthetischen Sinnes und Geschmackes; Herabsetzung der Persönlichkeit und des Individuums (
) Alle diese Folgeerscheinungen sind VorlĂ€ufer und Kennzeichen des Verfalls eines Volkes und seiner Kultur.« Wer trĂ€gt schuld an dieser Entwicklung? Unmittelbar an diesen Passus anschließend heißt es: »Es erĂŒbrigt sich zu erwĂ€hnen, dass die großen WarenhĂ€user in allen Teilen der Welt fast ausschließlich in den HĂ€nden von HebrĂ€ern sind und dass es der jĂŒdische GeschĂ€ftsgeist ist, der hier seine bedenklichen Triumphe feiert« (»Die Juden im Handel und das Geheimnis ihres Erfolges«, 1913). Das Warenhaus galt ihm als »besondere Form bank-kapitalistischer Volksausbeutung und Mittelstandsvernichtung«: »Zehntausende selbstĂ€ndiger Gewerbetreibender mussten vernichtet werden, damit diese WarenhĂ€user blĂŒhten: mitten im Frieden ein erbarmungsloses Morden – jĂŒdischer Kulturanteil!« (»Handbuch der Judenfrage«, Aufl. v. 1923). Dieses vom Judenhass getriebene Narrativ von etwas Fremdem und Bedrohlichem aus dem Innern der Gesellschaft selbst stand mit der Wirklichkeit erkennbar auf Kriegsfuß, denn erstens wurde damit die tatsĂ€chliche ökonomische Macht des Warenhauses angesichts eines damaligen Anteils von lediglich rund fĂŒnf Prozent am gesamten Einzelhandelsumsatz grotesk ĂŒberschĂ€tzt, und zweitens darf angenommen werden, dass kleinere LĂ€den in der Umgebung eines Warenhauses durchaus von dessen NĂ€he profitierten, weil es mehr potentielle Kunden anzog.

Die Nazis, die dem 1933 verstorbenen Fritsch nach der »Machtergreifung« in Zehlendorf 1935 ein Denkmal setzten, knĂŒpften nahtlos an die antisemitischen Tiraden ihres Stichwortgebers an. Im 1920 verabschiedeten 25-Punkte-Programm der NSDAP wird »die Schaffung eines gesunden Mittelstandes«, die »sofortige Kommunalisierung der GroßwarenhĂ€user und ihre Vermietung an kleine Gewerbetreibende« gefordert. Auf einer Parteiversammlung im September 1922 sprach Adolf Hitler von einer »planmĂ€ĂŸig« vorbereiteten »Zugrunderichtung des Mittelstandes«: »Das Großwarenhaus hat die kleineren Existenzen vernichtet.« Hans Buchner, NSDAP-Mitglied der ersten Stunde, Wirtschaftsredakteur beim Völkischen Beobachter und Verfechter der Idee eines StĂ€ndestaates, zeichnet in seiner 1930 veröffentlichten Hetzschrift »Warenhauspolitik und Nationalsozialismus« das Musterbild des antisemitischen Stereotyps vom verschlagenen und tĂ€uschenden »Warenhausjuden«: »Sie haben in wenigen Jahren verstanden, durch ein sorgsam vertarntes Ramschsystem reich zu werden, den ehrlichen Kaufmann mit Schleuderpreisen zu schlagen, (
) eine Inflation von Stapel- und Kellerwaren ins Werk zu setzen, die der breiten Masse durch schlau garnierte Vorspiegelung falscher Tatsachen oft die letzten Notpfennige aus der Tasche holt.« Und auch Sombarts jĂŒdischer Trödelladen als Archetyp des Warenhauses taucht wieder auf: »Da stehen in den GroßstĂ€dten die PrunkpalĂ€ste des halbwegs seßhaft gewordenen Hausierergeistes, die ebenso wie der Wanderjude in seinem Trödelladen einen bunten, mit Kaufreiz spekulierenden Krimskrams enthalten (
) ĂŒberall feiert die VerfĂŒhrung zum Kauf ĂŒberflĂŒssiger, minderwertiger oder wertloser Sachen wahre Orgien.« Das Warenhaus war ihm nichts als ein Krankheitsherd am »Volkskörper«, eine »Krebsgeschwulst«.

»Ein arisches Übergewicht«

Wer den Äußerungen der Nazis Glauben schenkte, wer mithin annahm, diese Leute wĂŒrden, so wie man ihnen die Macht ĂŒbertragen hatte, eine Politik zugunsten eines ominösen Mittelstands betreiben, musste erwarten, dass bald nach dem 30. Januar 1933 mit den WarenhĂ€usern Schluss sein wĂŒrde. ZunĂ€chst sah es auch danach aus. Drei Tage nach den Reichstagswahlen vom 5. MĂ€rz 1933, deren Verlauf schon mehr als eine Vorahnung vom Terrorregime im Aufbau gab – veröffentlichte der Völkische Beobachter ein angebliches Dokument, wonach die Firma Hermann Tietz den Wahlkampf der KPD unterstĂŒtzt habe. FĂ€lschungen und Falschbehauptungen sollten Pogromstimmung stiften und Maßnahmen begrĂŒnden helfen. Wiederum zwei Tage spĂ€ter, am 10. MĂ€rz, rief Hermann Göring in einer Rede zum Boykott jĂŒdischer WarenhĂ€user auf und erklĂ€rte, er als preußischer Innenminister verwahre sich dagegen, »dass die Polizei eine Schutztruppe jĂŒdischer WarenhĂ€user ist«. Das war ein kaum verklausulierter Aufruf zum Angriff. Am nĂ€chsten Tag belagerten SA-Posten in Hamburg, Breslau und Braunschweig WarenhĂ€user und sorgten dafĂŒr, dass sie geschlossen blieben. Die Übergriffe forderten Verletzte und auch Tote. Die örtliche Polizei schritt nicht ein. Die Hetze und die von einer enthemmten SA verĂŒbte Gewalt gegen Juden wurden mit dem von einem Aktionskomitee unter der Leitung des StĂŒrmer-Herausgebers Julius Streicher organisierten »Judenboykott« vom 1. April kanalisiert. In etlichen deutschen StĂ€dten standen uniformierte, teils auch bewaffnete SA-, HJ- und »Stahlhelm«-Posten vor jĂŒdischen GeschĂ€ften, Arztpraxen und Anwaltskanzleien in der Absicht, etwaige Kunden am Betreten dieser GeschĂ€ftsrĂ€ume zu hindern. Was die Nazis ĂŒbersahen: Das Datum fiel auf einen Samstag, den Sabbat. Viele glĂ€ubige Juden ließen ihre GeschĂ€fte ohnehin geschlossen.
Der Boykott erhöhte allerdings den Druck auf jĂŒdische GeschĂ€ftsleute und Vorstandsmitglieder grĂ¶ĂŸerer Unternehmen. Von den Maßnahmen ausgenommen war die Karstadt AG, der die neuen Herrschaften das PrĂŒfsiegel »nichtjĂŒdisches Unternehmen« ausgestellt hatten. Man war ihnen sehr entgegengekommen. Zum 1. April 1933 nĂ€mlich entließ der Warenhauskonzern sĂ€mtliche jĂŒdischen Angestellten fristlos. Sechs jĂŒdische Aufsichtsratsmitglieder traten daraufhin zurĂŒck. Karstadt war »judenrein« geworden. In der Filiale am Berliner Hermannplatz sorgten SA-MĂ€nner fĂŒr einen reibungslosen GeschĂ€ftsablauf.

Anders erging es den anderen großen (jĂŒdischen) Warenhausbetreibern. Am 3. April, zwei Tage nach dem »Judenboykott«, zwangen die im Aufsichtsrat vertretenen Abgesandten von Deutscher Bank, Dresdner Bank und Commerzbank die Erben der im Rheinland aktiven Leonhard Tietz AG, die in Schieflage geraten war, zur Aufgabe ihrer VorstandsĂ€mter und zum Verkauf ihrer Aktienanteile. Die drei GeldhĂ€user kassierten die Anteilsscheine mit einem Kurswert von 24 Millionen Reichsmark zum Spottpreis von 800.000 Reichsmark. Am 11. Juli 1933 beschloss die Generalversammlung die AbĂ€nderung des Firmennamens in »Westdeutsche Kaufhof AG (vorm. L. Tietz AG)«. 1936 entfiel dieser Zusatz. An den jĂŒdischen WarenhausgrĂŒnder sollte nichts mehr erinnern.


>>>>>
NEUER BEITRAG30.12.2020, 17:21 Uhr
EDIT: arktika
30.12.2020, 17:25 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Auch das Familienunternehmen »Hermann Tietz« mit Schwerpunkt in Berlin war schon vor Machtantritt der Nazis in ökonomische Schwierigkeiten geraten und hatte sich in die AbhĂ€ngigkeit der GlĂ€ubigerbanken begeben mĂŒssen. Das Konsortium, unter anderem bestehend aus Dresdner Bank und Deutscher Bank, grĂŒndete am 24. Juli 1933 die »Hertie Kaufhaus-Beteiligungs-Gesellschaft m. b. H.« (kurz: Hertie GmbH) und erzwang fĂŒnf Tage spĂ€ter mit einem »Auseinandersetzungsvertrag« den sofortigen RĂŒcktritt von Hugo Zwillenberg, dem Schwager von Georg und Martin Tietz, aus GeschĂ€ftsleitung und Teilhaberschaft. Die Hertie GmbH, so hieß es unter anderem als BegrĂŒndung in dem Vertrag, sei der »Hermann Tietz OHG« zum »Zwecke der Herstellung eines arischen Übergewichts« beigetreten. An die Stelle von Zwillenberg trat der »Arier« Georg Karg, bis dahin Leiter des Textileinkaufs bei »Hermann Tietz«, fĂŒr die Hertie GmbH mit 50.000 Reichsmark Einlage als einer der GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Gesellschafter des Warenhauskonzerns. Die GmbH besaß ohne nennenswerte Einlage einen mehrheitlichen Stimmanteil. Im August 1934 erzwang die Bankengruppe per Androhung der KreditkĂŒndigungen das Ausscheiden aller Anteilseigner der Familie Tietz. Die jĂŒdischen Gesellschafter mussten ihre Anteile der Hertie GmbH ĂŒberlassen. Karg konnte seine Karriere an der Spitze eines Warenhauses, die er dem Naziregime zu verdanken hatte, nach 1945 ungebrochen fortsetzen. Aus »Hermann Tietz« war »Hertie« geworden, und Karg war in der Bundesrepublik der uneingeschrĂ€nkte Herrscher eines ehedem jĂŒdischen Unternehmens unter neuem Namen.

Und auch ein anderer echter Deutscher stieg in jenen Jahren zum Warenhausbetreiber auf. Helmut Horten, der bei der Leonhard Tietz AG zum Textilkaufmann ausgebildet worden war, erwarb 1936 fĂŒr einen lĂ€cherlich geringen Betrag das Kaufhaus Alsberg in Duisburg, dessen jĂŒdische EigentĂŒmer zum Verkauf gezwungen worden waren. Die Finanzierung sicherte die Commerzbank ab, die zur stillen Teilhaberin der nun gegrĂŒndeten Unternehmung Horten & Co. wurde. Am 9. Mai 1936 erschien im Duisburger General-Anzeiger ein Inserat, in dem zu lesen war: »Das ist Horten. Jawohl – Sie haben ganz richtig gesehen: das Alsberg-Haus hat seinen Hausherrn gewechselt, und ist in arischen Besitz ĂŒbergegangen.« Wenige Monate spĂ€ter ĂŒbernahm Horten auch das Wattenscheider Textilkaufhaus des Juden Sally Hess. Horten griff zu, wo sich nach der Enteignung jĂŒdischer Kaufhausbesitzer die Gelegenheit ergab. Auf dieser Grundlage wuchs die spĂ€tere Horten AG nach Kriegsende zur viertgrĂ¶ĂŸten Warenhauskette der Bundesrepublik heran – nach Kaufhof, Hertie und Karstadt.

Bei Wertheim waren bis 1937 alle jĂŒdischen GeschĂ€ftsleute aus den FĂŒhrungspositionen herausgedrĂ€ngt worden. Das Reichswirtschaftsministerium erkannte die Firma als »nicht-jĂŒdisches« Unternehmen an. 1938 wurde der Name getilgt. Aus Wertheim wurde die »Allgemeine Warenhandelsgesellschaft A.G. fĂŒr Handelsbeteiligungen« (AWAG). Ende 1938 waren alle Eigentumsanteile nahezu vollstĂ€ndig aus »jĂŒdischem« in »arischen« Besitz ĂŒbertragen worden.

Wie scharf auch immer die Antiwarenhauspropaganda der Nazis vor 1933 geraten war, was auch immer von ideologisch fest ĂŒberzeugten Teilen der NSDAP noch nach 1933 vorgebracht werden mochte: Der Pragmatismus des faschistischen Regimes, das den Interessen deutscher GlĂ€ubigerbanken Rechnung trug, die schon in den ersten Monaten des Jahres 1933 die verĂ€nderte politische Lage zu ihren Gunsten ausnutzten, gestattete, dass das Warenhaus in seiner Betriebs- und Organisationsform unbeeintrĂ€chtigt weiterexistieren konnte, sofern die jĂŒdischen Besitzer ihrer Beteiligung beraubt wurden. Nicht die WarenhĂ€user wurden vernichtet, sondern deren ursprĂŒngliche EigentĂŒmer. An einer Zerschlagung bestand abgesehen von den Begehrlichkeiten der Finanzinstitute schon deshalb kein unmittelbarer Bedarf, weil die WarenhĂ€user als rational organisierte Großunternehmen kriegswirtschaftlich relevant wurden.

Die Vergangenheit beseitigt

Bald nach dem Krieg feierten Kaufhof, Hertie, Karstadt und Horten in der Bundesrepublik wieder satte UmsĂ€tze. Bis Mitte der 1970er Jahre eroberten sie sich einen Marktanteil von zehn Prozent des Einzelhandelsvolumens, dann ging es wieder abwĂ€rts. Den HĂ€usern und ihren Waren war nicht anzusehen, dass sich hinter der Erfolgsstory im Wirtschaftswunderwestdeutschland die Geschichte von Raub und Mord verbarg. Die Namen der ursprĂŒnglichen EigentĂŒmer, die an den einst stolzen HĂ€usern prangten, waren ausgetauscht oder verfremdet. Nichts erinnerte mehr an die Vergangenheit und keiner wollte erinnert werden.

Doch gelegentlich taucht das Alte wieder auf. 2009 stieß Otto Köhler auf die bestechend logische Argumentationskette eines Nachkommens der warenhauskritischen Antisemiten – von Köhler zum besseren VerstĂ€ndnis so wiedergegeben: »Karstadt ist jĂŒdisch, alle Juden unterstĂŒtzen das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen. Darum stellt sich unserem deutschen Gewissen die Frage, ob wir weiterhin unseren Harzer KĂ€se bei Karstadt kaufen dĂŒrfen«. Doch Köhler wusste die um ihr ethisches Kaufverhalten ernsthaft besorgten Konsumenten zu beruhigen und klĂ€rte auf: »Die Tietz-WarenhĂ€user wurden spĂ€ter von den Nazis arisiert und hießen fortan Hertie. Und Hertie arisierte Wertheim. Karstadt schluckte schließlich alle. Samt Neckermann, dem Versandhaus, das von dem Arisierungsgewinner Josef Neckermann gegrĂŒndet wurde, dem aus der SA-Reiterstaffel. Und Quelle, an dessen Wiege der Arisierer und NSDAP-Ratsherr Gustav Schickedanz stand. Wer heute bei Karstadt einen BaseballschlĂ€ger kauft, hat damit – warenhausgeschichtlich gesehen – so viele Juden aus dem Weg gerĂ€umt, dass es ihm um sein deutsches Gewissen nicht bange sein muss.« (junge Welt v. 1.7.2009)

Das alles ist nun auch schon fast wieder Vergangenheit. Das Warenhaus geht seinem Ende entgegen. Nicht etwa weil der rasende Furor einer »Mittelstandsbewegung« dieses Mal Erfolg gehabt hÀtte, sondern ganz einfach, weil die rastlose Bewegung der Kapitalakkumulation, die man schon um die Jahrhundertwende nicht verstand und daher vormoderne ZustÀnde und simple Feindbilder beschwor, neue Formen der Warendistribution geschaffen hat.


Anmerkungen

1 Uwe Lindemann: Das Warenhaus. Schauplatz der Moderne, Köln 2015, S. 15

2 Thomas Lenz: Konsum und Modernisierung: Die Debatte um das Warenhaus als Diskurs um die Moderne, Bielefeld 2011, S. 107

3 Vgl. ebd., S. 109

4 Lindemann: Das Warenhaus, a. a. O., S. 20


Link ...jetzt anmelden!

#Warenhaus
#Warenhaeuser
#Nazis
#Arisierung
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
Militarisierung der Arktis
4
FN zum 'Arktischen Rat': UrsprĂŒnglich gehörten diesem Vertreter DĂ€nemarks, Islands, Norwegens, Schwedens, Finnlands, Russl...more FPeregrin 29.01.2023
FPeregrin 29.01.2023
arktika 29.01.2023
Ukraine: 9. Jt. Massaker Odessa
3
>>> Bekenntnisse und Beweise stoßen auf taube Ohren der „QualitĂ€ts-Medien“ des Westens All dies wird von den „L...more FPeregrin NEW 03.05.2023
FPeregrin NEW 03.05.2023
FPeregrin NEW 03.05.2023
100 Jahre UdSSR
6
>>>>> Die Sowjetunion zwang die KolonialmÀchte zur Dekolonisierung, Hunderte Millionen Menschen konnten alsbald ihr Leben...more arktika 13.01.2023
arktika 13.01.2023
arktika 13.01.2023
Nord-IRL: Sprachpolitik
1
Das ist ja nun wirklich allerhöchste Zeit, daß "Irisch" in Nordirland endlich mal anerkannt wird! Auch wenn der Status, den...more arktika 27.12.2022