DE     EN    
 
   
 
0
WWW.SECARTS.ORG unofficial world wide web avantgarde
  • join the commune!
  • Diesen Artikel auf Digg™ posten teilen
    Artikel:   versendendruckenkommentieren (1)

    Großbildansicht hujintao.jpg (33.8 KB)
    Großbildansicht hujintao.jpg (33.8 KB)
    Präsident Hu Jintao beim Afrika Gipfel in Beijing.
    Anfang November fand in Beijing (nach Kolonialdeutsch: Peking) eine große Konferenz, der so genannte China-Afrika-Gipfel1, statt. China hatte Vertreter aus 48 afrikanischen Staaten eingeladen, um Ziele und Wege wirtschaftlicher Zusammenarbeit zu diskutieren und in diesem Rahmen einige wichtige Großprojekte der Infrastruktur zu vereinbaren (Errichtung eines neues Telefonnetzes in Ghana, Schnellstrassen in Nigeria, Erschließung von Öl- und Gasfeldern in verschiedenen Ländern).

    Diese Konferenz zeigt, dass die ökonomische Bedeutung Chinas weiter fortschreitet. Dies bestätigen in diesem Zusammenhang vor allem die Stimmen hiesiger Politiker, die wir ja als uneigennützig, immer am Gesamtwohl der Menschheit orientiert und im Bezug auf die Menschen in Afrika stets hilfsbereit kennen. In einer perfiden Mischung: halb-frech-imperialistisch und halb-panisch-ängstlich gehen gerade unsere Sozis vorneweg, um China für diese neue Entwicklung anzugreifen. Die „Entwicklungshilfeministerin“ Heidemarie Wieczorek-Zeul (früher mal irrtümlich als „rote Heidi“ tituliert und von der Titanic vor Jahren in der Comicreihe „Die roten Strolche“ rotweinsaufend mit Lafontaine hervorragend charakterisiert) glänzt mit Analyse für den durchschnittlich standortorientierten Parteiortsverein, indem sie in einem Interview sagte, das Milliardenengagement diene in erster Linie den Interessen Pekings – „es geht sehr stark um Rohstoffausbeutung in Afrika“. Für Europa müsse dies ein „Weckruf“2 sein.“ Also wirklich unmöglich, der Chinese holt sich des Negers Rohstoffe, ein Gespenst geht um in Afrika, das Gespenst der gelben Gefahr...

    In die gleiche Kerbe haute schon vor Wochen der Lieblings-Schwiegersohn vergangener Generationen nordrhein-westfälischer Schwiegermütter, der Finanzminister Peer Steinbrück (welcher Name ist eigentlich ätzender: Der Vorname Peer oder der 27 Zeichen verschwendende Bandwurm der dingens da?). Also Steinbrück kübelte schon im September ab: „Einige Länder Asiens – maßgeblich ein Land – gewähren Krdite auch im Hinblick auf die Absicherung der eigenen Rohstoffinteressen.3.
    Großbildansicht 1.jpg (6.6 KB)
    Großbildansicht 1.jpg (6.6 KB)
    Würden Sie diesem Mann Geld leihen?
    Na jetzt schlägts aber 13, sie geben Kredite und haben dabei Rohstoffinteressen!! Steinbrück, alarmieren Sie sofort die Bundeswehr, bombardiert Peking! Boykottiert alles was geht, ein Verbrechen an unserer umsichtigen, interessenfreien und auf ökologischen Aufbau setzenden Unterstützung der Hungernden dieser Welt! So geht es nicht, und deshalb fügt Steinbrück hinzu: „Dem müssen wir einen Riegel vorschieben“ ...“mit Blick auf China4.

    Und es geht ja noch weiter. Irgendwie hat man den Eindruck, China betrachtet Afrika als sich anbietenden Partner, denn um jährlich fast 20% wächst der Export asiatischer Ausfuhren nach Afrika. Die heftigste Kritik ernten die Chinesen dann dafür, dass sie zur Bezahlung der Werte auch noch Kredite gewähren und dies nicht mit den Welt-Sozialinstituten IWF und Weltbank, Pariser Schuldenclub und wie sie alle heißen, absprechen: „Die Handelsfinanzierung über ... Kredite wenden die Chinesen zunehmend auch für Infrastrukturprojekte an. Bei diesen übernehmen dann chinesische Baukonzerne den Auftrag in Afrika. ... Die afrikanischen Länder nehmen lieber die ... Kreditangebote Chinas an, als auf Kredite zurückzugreifen, die aus dem Westen stammen und mit Bedingungen verbunden sind.5.

    Das ist ja wirklich der Gipfel, sie leihen ihnen Geld ohne die bewährten Knebelungen, ja wissen die denn gar nicht wie`s business läuft?? Offensichtlich nicht, und wer muss den Murks dann wieder bezahlen? Wir!: „Die China-Kredite sind zwar leicht zu haben, doch drohen sie auf mittlere Sicht neuerlich zu einer Überschuldung afrikanischer Entwicklungsländer zu führen, an deren Ende dann nur wieder Rettungsangebote der multilateralen Entwicklungsbanken stehen könnten. 'Geht es weiter, stecken wir in wenigen Jahren in derselben Situation, die wir schon einmal hatten'“, fürchtet unser Freund Steinbrück (SPD) und setzt drauf: „das läuft nach dem Motto: Wir haben die Ärmsten der Armen entschuldet, nun ziehen sie auf Umwegen neue, nichtkonzessionäre Kredite6.

    da heult die bürgerliche Journaille:

    "Westliche Länder kritisierten, dass China vor allem an den Rohstoffen und weniger an der Entwicklung Afrikas interessiert sei und durch eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit Diktatoren die Forderungen des Westens nach "guter Regierungsführung" massiv untergrabe."

    "Für Afrika gibt es jetzt das, was deutsche Manager gerne hätten: eine gemeinsame, in diesem Fall chinesisch-afrikanische Industrie- und Handelkammer. Die Kammer erleichtert Afrikanern und Chinesen informelle Managerkontakte und gegenseitige Investitionen. Das ist nur ein Ergebnis am Rande des bislang größten Gipfeltreffens zwischen China und Afrika in Peking. Den Deutschen steht in China bislang nur ein Delegationsbüro zur Verfügung."

    doch auch sie müssen eingestehen:

    "Afrika verzeichnet einen leichten Überschuss im Handel mit China, das vor allem Öl und Rohstoffe aus Afrika importiert und im Gegenzug Verbrauchsgüter oder Textilien liefert. Im Rahmen der Entwicklungshilfe will China 15.000 Afrikaner weiterbilden, Agrarexperten entsenden und zehn Zentren für landwirtschaftliche Technologie in Afrika einrichten.
    Die Zahl der Stipendien für afrikanische Studenten wird bis 2009 auf 4000 im Jahr verdoppelt. China will 100 Schulen und 30 Krankenhäuser bauen sowie 300 Millionen Yuan (30 Millionen Euro) zum Kampf gegen Malaria bereit stellen. Um die Integration der afrikanischen Staaten zu fördern, wird China ein Konferenzzentrum für die Afrikanische Union bauen."

    heute.de (ZDF)

    und so sehen das die Chinesen:

    "China selbst gilt als ein Entwicklungsland und ist nicht reich. Trotzdem unterstützen wir die afrikanischen Länder, die Armut zu bekämpfen und die Wirtschaft zu entwickeln. China verhilft den afrikanischen Völkern gern dazu, ein gutes Leben führen zu können. Aus diesem Grund hat China im Rahmen des China-Afrika-Forums die Schulden von 31 überschuldeten und unterentwickelten afrikanischen Ländern um 10,5 Milliarden RMB reduziert."

    Boubakar Adamou, Botschafter Nigerias in der VR China:

    "Chinas Hilfsmaßnahmen für Afrika sind sehr lobenswert. Sie ermöglichen afrikanischen Staaten wie den Niger, das Geld für den Aufbau des Landes einzusetzen, und so den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen."
    Ein paar hundert Jahre Kolonialismus und das maßvolle Hahn-zudrehen der imperialistischen Länder in den letzten Jahrzehnten, alles wird kaputtgemacht durch die Chinesen. Was hatten „wir“ Tolles erreicht, in gekonntem Würgegriff begriff der Neger endlich, dass er uns seine Rohstoffe verkaufen und sparsam mit den Krediten umgehen muss, dann wird’s auch was (also für „uns alle“ jedenfalls) mit der Entwicklung, blühende Landschaften von der Sahara bis zum Kap. Nun waren wir auf bestem Wege, Krankheiten wie AIDS ausgerottet, wie in China alle Menschen satt, sauberes Wasser, Bildung und Gesundheitsversorgung. Nun kommen die Chinesen und bringen alles durcheinander, verkaufen ihnen ihren Kram statt unsere deutsche Wertarbeit (was wir ihnen ja früher nie im Zusammenhang mit Krediten vorgeschrieben hatten...) und bringen die Kräfte durcheinander, eine Herausforderung für jeden Sozialdemokraten mit dem Auftrag, den Kapitalismus in Schwung zu halten und seine Auswüchse mit schönem Wundbalsam und großem Wort zu verharmlosen.

    Damit kein Missverständnis aufkommt:
    1. Imperialismus bedeutet (unter Anderem) Versklavung und systematische Ausplünderung der Völker anderer Länder, besonders der zurückgebliebenen Länder. In keinem anderen Kontinent haben die imperialistischen Hauptländer dies so deutlich vorgeführt wie in Afrika, nirgendwo haben sie so völlige Perspektivlosigkeit und umfassende Abhängigkeit geschaffen (früher direkt über den Status von Kolonien, heute in Form offizieller Unabhängigkeit bei unveränderter ökonomischer Abhängigkeit).
    2. Wenn nunmehr China seine wirtschaftliche Entwicklung einsetzt, um Entwicklung in Afrika zu unterstützen, so kann das schon mal nicht schlechter sein als das, was die ausbeuterischen Verbrecher und ihre politischen Hampelmänner zu verantworten haben.
    3. Es macht durchaus den Eindruck, dass Chinas Aktivität in Afrika anderen Charakter hat als das, was dort bisher unter Entwicklungs“hilfe“ stattfand. Das heißt natürlich nicht, dass man alle Regierungen - mit welchen dort Verträge geschlossen werden - positiv bewertet oder gar unterstützt, bzw. davon ausgeht, dass chinesisches Geld nun plötzlich „nur Gutes“ bewirkt oder der Einsatz dieser Mittel widerspruchsfrei wäre.
    4. Im Gegenteil, die Aktivität Chinas in dieser Hinsicht führt zu Widersprüchen in verschiedener Hinsicht. Einerseits die Frage, ob und inwieweit solche Verträge Elemente kapitalistischer Funktionen enthalten, ob sie China in eine –zumindest in Teilen - bestimmende Rolle bringen (können). Andererseits die offensichtliche Verschiebung der Kräfte, die solche Aktivitäten - offensichtlich bewusst - bewirken, also die imperialistischen Länder in ihrem Profitinteresse angreifen. So wird es ja gedeutet, anders wären die hier zitierten Provokationen und Angriffe deutscher Sozis nicht zu erklären.
    5. Insofern ist auch die Bündnisentwicklung China-Afrika zu beobachten und einzuschätzen, geifernde Sozis im Auftrag des deutschen Großkapitals werden uns dabei höchstens in die Volksgemeinschaft mit unseren Feinden führen!

    Nachtrag:

    Auch der frischgekürte Friedensnobelpreisträger Yunus hat nichts Besseres zu tun, als an ökonomischen Entscheidungen Chinas herumzumäkeln. Sein Konzept, mit Mini-Krediten arme Bauern in ausgebeuteten Ländern zu versorgen, lässt China seiner Meinung nach so nicht zu. Er beschwert sich, dass die vollen Möglichkeiten privat-kapitalistischer Banken in China dafür nicht gewährt werden (in China ist privater Besitz an Banken - egal ob groß oder klein - grundsätzlich nur maximal bis 25% möglich), damit würde der Staat letztlich die Kontrolle über die Banken beanspruchen! Ja, so ist das außerhalb des Kapitalismus, kein privates Bankwesen und weniger Arme, das gefährdet dann wohl doch in den Augen des Preisträgers den kapitalistischen Frieden, der bekanntlich maximal ein vorübergehender und trügerischer ist, auch wenn jedes Jahr irgendeine Figur mit dem Friedenspreis behängt wird.


    Anmerkungen:
    1
    "Zu dem zweitägigen Treffen unter dem Motto «Freundschaft, Frieden, Kooperation und Entwicklung» sind 41 Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen aus 48 Ländern Afrikas gekommen." (NZZ Online)
    2 Financial Times Deutschland/ FTD-Kompakt 06.11.2006
    3 Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 18.09.2006
    4 ebenda
    5 ebenda
    6 ebenda



    Dagobert Pollöck schreibt für www.secarts.org in unregelmäßigem Abstand die Politökonomie-Kolumne zu aktuellen Fragen wirtschaftspolitischen Geschehens.

     
    Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0
    Inhalt (Text, keine Bilder und Medien) als Creative Commons lizensiert (Namensnennung [Link] - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen), Verbreitung erwünscht. Weitere Infos.
     


     
     Kommentar zum Artikel von Alex :
    Montag, 20.11.2006 - 12:49

    Wie können diese dreisten Chinesen es wagen mit ihrem "billigen Geld" die ganze schöne afrikanische Abhängigkeit kaputtzumachen? Unerhört!

    Scherz beiseite, wirklich netter Artikel, und immer wieder schmunzelfördernd was deutsche Medien und Politiker so absondern.

    Nett ist auch der kleine, aber feine Unterschied in der Betrachtung Afrikas in den Medien; wird Europa oder Amerika irgendwo abgebildet, dann meist als politische Karte, mit verschiedenen Farben für verschiedene Länder. Bei Afrika jedoch sieht man recht oft nur die Ressourcenkarten, mit Kupfer und Öl und Diamanten und Edelmetallen die es dort so gibt. Hintendran noch die neuste AIDS-Ausbreitungskarte, damit der im Spiegel stöbernde deutsche Geschäftsphilister gleich sieht, wie verzweifelt die dortige Bevölkerung ist und dementsprechend alles tun bzw. verkaufen wird um nur irgendwie davonzukommen.

    Noch fieser ist eigentlich nur das französische Fernsehen in ihren vielen "objektiven" "Reportagen" über ihre alten Kolonien...


     
    ©2002-2017 by www.secarts.org, some rights reserved. goto top Only solution: Revolution [anmelden|registrieren]