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    BERLIN/OBERURSEL (17.06.2011) - Die Bundeswehr präsentiert schwere Kriegswaffen als Unterhaltungsprogramm für Kinder. Beim diesjährigen "Hessentag" in Oberursel nahe Frankfurt am Main bieten die deutschen Streitkräfte Jungen und Mädchen unter anderem die Möglichkeit, den Innenraum einer Panzerhaubitze 2000 zu erkunden und durch die geöffneten Sichtluken zu schauen. Die Panzerhaubitze 2000 zählt zu den modernsten Artilleriesystemen des deutschen Militärs und ist für ihre verheerende Vernichtungswirkung bekannt. Das Vorgehen der Bundeswehr beim "Hessentag" ist kein Einzelfall. Erst unlängst wurde öffentlich, dass Kinder bei einem "Tag der offenen Tür" in einer Gebirgsjägerkaserne mit einer Panzerfaust auf die Gebäude eines Miniaturdorfes namens "Klein-Mitrovica" zielen durften. Die Gegend um den in der serbischen Provinz Kosovo gelegenen Ort Mitrovica war bereits im Zweiten Weltkrieg Schauplatz zahlreicher Massaker der NS-Wehrmacht. 1999 und 2004 fanden hier unter den Augen von KFOR-Verbänden Pogrome gegen Roma und Serben statt, in deren Verlauf albanischstämmige Nationalisten tausende Menschen schwer verletzten und vertrieben und tausende Häuser zerstörten. Für den noch bis Ende dieser Woche andauernden "Hessentag" haben Kriegsgegner energische Proteste angekündigt.

    Sieben Jahre alt

    Wie Augenzeugen berichten, präsentiert die Bundeswehr beim diesjährigen "Hessentag" in Oberursel nahe Frankfurt am Main schwere Kriegswaffen als Unterhaltungsprogramm für Kinder. So hätten etwa Jungen und Mädchen unter zehn Jahren die Möglichkeit, den Innenraum einer Panzerhaubitze 2000 zu erkunden und durch die geöffneten Sichtluken zu schauen. Die unter anderem in Afghanistan eingesetzte Panzerhaubitze 2000 zählt zu den modernsten Artilleriesystemen des deutschen Militärs und ist für ihre verheerende Vernichtungswirkung bekannt. Nach Angaben von Besuchern des "Hessentags" steht Kindern auch weiteres schweres Kriegsgerät offen. Ein kleines Mädchen etwa habe sich hinter das Steuer eines Panzerfahrzeugs gesetzt und an diesem herumgespielt, wird berichtet. Auf die Frage nach seinem Alter habe das Mädchen geantwortet: "Ich bin sieben".

    "Klein-Mitrovica"

    Die geschilderten Vorgänge auf dem "Hessentag" sind offenbar keine Einzelfälle. Erst unlängst wurde bekannt, dass Kinder bei einem "Tag der offenen Tür" in der Gebirgsjägerkaserne von Bad Reichenhall (Bayern) bewusst an Kriegswaffen herangeführt wurden. Wie die Bundeswehr selbst einräumt, durften Jungen und Mädchen unter anderem mit dem Zielsystem einer Panzerfaust die Häuser eines Modelldorfes namens "Klein-Mitrovica" anvisieren. Zweck des Kinderprogramms sei es gewesen, "die Verbindung zur Bevölkerung hautnah herzustellen", erklärte der verantwortliche Kommandeur der Gebirgstruppe, Brigadegeneral Johann Langenegger. Gleichzeitig drückte er sein "Bedauern" darüber aus, dass "sich Menschen oder gar Volksgruppen durch die Bezeichnung (des) Miniaturdorfes verletzt fühlen" könnten.1 Der Name "Klein-Mitrovica" spielt auf den in der serbischen Provinz Kosovo gelegenen Ort Mitrovica an, der in der Vergangenheit mehrfach Schauplatz von Kriegsverbrechen und Pogromen war. Im Zweiten Weltkrieg waren hier Einheiten der 1. Gebirgs-Division der NS-Wehrmacht stationiert; unter dem Vorwand der "Partisanenbekämpfung" beging die Truppe, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung. Nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 initiierten albanischstämmige Nationalisten hier unter den Augen der Besatzungstruppe KFOR antiziganistische Pogrome, in deren Verlauf nicht nur etliche tausend Häuser zerstört, sondern auch 8.000 Roma vertrieben wurden. 2004 folgten antiserbische Pogrome.

    Besondere Verdienste

    Zwar hat der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, angekündigt, die für die Vorgänge in der Bad Reichenhaller Gebirgsjägerkaserne Verantwortlichen "zur Rechenschaft (zu) ziehen"2 - für die Beteiligung der deutschen Streitkräfte am diesjährigen "Hessentag" hat dies jedoch offenbar keine Konsequenzen. Vielmehr betrachtet das deutsche Militär die landeseigene Veranstaltung nach eigener Aussage als Bühne für die Demonstration ihrer "Aufgaben und Fähigkeiten im In- und Ausland".3 Hierunter fallen unter anderem "Fallschirm-Vorführungen" der Bundeswehr-Einheit "Division Spezielle Operationen" (DSO)4, die - etwa in Afghanistan - insbesondere für den Kampf gegen Aufständische und Partisanen vorgesehen ist. Darüber hinaus widmen sich die deutschen Streitkräfte laut einer Selbstdarstellung vor allem der Pflege der "zivil-militärischen Zusammenarbeit" mit anderen Repressionskräften. So zeichnete der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Rahmen eines "Ehrenappells" am Pfingstmontag nicht nur Bundeswehrangehörige für ihre "besonderen Verdienste" aus, sondern auch Landes- und Bundespolizisten.5

    Kein Werben fürs Sterben

    Bereits während des "Ehrenappells" war es zu Protesten von Kriegsgegnern gekommen; jedoch wurden diese laut Augenzeugenberichten schon nach kurzer Zeit von Feldjägern der Bundeswehr und Polizisten gewaltsam des Platzes verwiesen. Für den kommenden Samstag rufen nun mehrere DGB-Gewerkschaften, die Ärzteorganisation IPPNW, das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Linkspartei erneut zu einer Demonstration auf. Diese steht unter dem Motto "Kein Werben fürs Sterben" und richtet sich insbesondere gegen die auf dem "Hessentag" von den deutschen Streitkräften massiv betriebene Rekrutierung von Jugendlichen. Gefordert wird, "die Bundeswehr auszuladen und militärische Werbung auf dem Hessentag zu untersagen".6


    Anmerkungen:
    1 Bundeswehr entschuldigt sich; www.n-tv.de 09.06.2011
    2 "Da gibt es keine Nachsicht"; www.welt.de 14.06.2011
    3 Das Landeskommando Hessen begrüßt Sie auf dem "Platz der Bundeswehr"; www.hessentag2011.de
    4 Hessentag 2011. Veranstaltungsprogramm
    5 Das Landeskommando Hessen begrüßt Sie auf dem "Platz der Bundeswehr"; www.hessentag2011.de
    6 Nein zur Bundeswehrwerbung auf dem Hessentag - Ja zu friedlichen Perspektiven für junge Menschen. Offener Brief der DGB-Jugend Hessen an die VeranstalterInnen des Hessentags 05.06.2011




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