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    Am 2. März ist Michael Gorbatschow, der letzte Generalsekretär der KPdSU 80 Jahre alt geworden. Gefeiert wird der Jubilar nicht in Russland, wo er von der Mehrheit der Menschen als Totengräber der Sowjetunion verachtet wird, sondern in Berlin und London. In der deutschen Hauptstadt mit einer Fotoausstellung im Kennedy-Museum, in London Ende des Monats mit einer Gala in der Royal Albert Hall. Bekannte Politiker werden dort als Gäste erwartet. Das London Symphony Orchestra spielt, berühmte Stars und die Band "The Scorpions" treten auf. Da stellt sich die Frage: Wieso findet die Feier gerade in London statt? Die Antwort ist möglicherweise darin zu suchen, dass Gorbatschow hier bereits auf dem Weg zum Gipfel der Macht von Margaret Thatcher als ein mögliches Instrument für die antisowjetischen Interessen des Imperialismus "entdeckt" wurde.

    Darüber sowie über die sowjetische Außenpolitik unter der Führung Gorbatschows berichtet Nikolai Ryshkow (sowjetischer Ministerpräsident während der "Perestroika", der vom Weggefährten des Generalsekretärs zu dessen scharfem Kritiker wurde), in seinem Buch "Der Kronzeuge", das im vergangenen Jahr in Moskau erschienen ist. Im Folgenden geben wir daraus einige Auszüge wieder: "Die Zusammenarbeit mit dem Westen begann Gorbatschow im Herbst 1984 als einfaches Politbüromitglied mit seinem Besuch bei der britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Wie bekannt, wurde dieses Zusammentreffen von dem sowjetischen Botschafter in Kanada, Alexander Jakowlew, organisiert, dessen Bekanntschaft der künftige Generalsekretär etwas früher gemacht hatte und mit dem er in seinen ideologischen Positionen weitgehend übereinstimmte.

    Es verdient Aufmerksamkeit, dass die Zusammenkunft nicht wie üblich in der Regierungsvilla der Premierministerin in London (Downing Street, 10) stattfand, sondern in deren Vorortresidenz Checkers, die nur für den Empfang solcher ausländischer Führungspersönlichkeiten vorgesehen war, die sich zu einem offiziellen Staatsbesuch in Großbritannien aufhielten und mit denen die Premierministerin besonders wichtige vertrauensvolle Gespräche führen wollte.

    Praktisch handelte es sich um eine "Brautschau" des künftigen Generalsekretärs, denn die Führer des Westens waren natürlich bestens über den Gesundheitszustand Konstantin Tschernenkos informiert. Nach dem Treffen ließ die Premierministerin ein geflügeltes Wort fallen: "Mit diesem Menschen ist es möglich zusammenzuarbeiten... Ihm kann man vertrauen". Das war ein Signal der "eisernen" Lady an ihre Kollegen in den anderen Ländern. Und später sagte sie stolz: "Wir haben Gorbatschow zum Generalsekretär gemacht." Man muss den westlichen Analytikern und Politologen zugestehen - sie sind "Langstreckenläufer" und ihre Handlungsorientierungen zur Zersetzung der sowjetischen Gesellschaft sowohl von innen heraus wie mit Hilfe militärisch-politischen Drucks von außen waren auf Jahrzehnte im Voraus angelegt. Wahr ist allerdings auch, dass selbst bei den größten Optimisten unter ihnen die Phantasie nicht reichte, um sich vorzustellen, dass die Zerstörung der Sowjetunion in einer so kurzen Frist erfolgen könnte. War dafür doch bei uns ein Führer des Staates notwendig, der Schritt für Schritt, und das in immer rascherem Tempo, dem Westen eine Großmacht ausliefern würde. Er fand sich: zu ihm wurde ein Mensch, mit dem es für die Gegner der UdSSR möglich war, "zusammenzuarbeiten".

    Objektiv war natürlich eine aktivere und effektivere Außenpolitik notwendig, und dies schon darum, weil es bei uns ernste Probleme mit den Ausgaben für die Rüstung und den Unterhalt der Armee gab. Doch meiner Ansicht nach waren es andere Bestrebungen, die Gorbatschow leiteten - er wollte zu einer Figur der Weltpolitik werden, zu einem neuen ´Messias´, der sich auf die Erde herabließ, um die Welt vollständig zu verändern. Das schmeichelte seinem übermäßigen Ehrgeiz und seinen Ambitionen." In diesem Zusammenhang wird Jakowlew zitiert, der über eine Begebenheit während der Zusammenkunft Gorbatschows mit Margaret Thatcher Folgendes berichtet: "Die Gespräche hatten den Charakter von Sondierungen bis zu dem Punkt, an dem Michael Sergejewitsch (Gorbatschow) in einer der Sitzungen im engen Kreis seiner Aktenmappe eine mit den Stempeln höchster Geheimhaltung versehene Karte des Generalstabs entnahm. Auf ihr waren die Richtungen der Raketenschläge gegen Großbritannien dargestellt, von wo sie ausgehen könnten sowie alle weiteren Details.

    Thatcher schaute mal auf die Karte, mal auf Gorbatschow. Meiner Ansicht nach konnte sie nicht verstehen ob man sie verulken will, oder ob die Sache seriös ist. Es zog sich eine lange Pause hin. Die Premierministerin betrachtete die englischen Städte, auf die die Pfeile führten, jedoch vorerst noch keine Raketen. Die Pause unterbrach Gorbatschow: Frau Premierministerin, mit all dem muss Schluss gemacht werden, und das möglichst schnell.

    Ja - antwortete eine ziemlich bestürzte Thatcher.

    Aus London reisten wir vorzeitig ab, da uns mitgeteilt wurde, dass Verteidigungsminister Ustinow gestorben war."

    "Gorbatschow hatte erreicht, was er erreichen wollte", so fährt Ryshkow fort. "Im Westen wurde er ´bestätigt´, noch bevor das im Kreml geschah. Ich würde gern wissen, was mit einem solchen Spitzenpolitiker in einem anderen Land passiert wäre!"

    Im Weiteren äußert sich Ryshkow über die nachfolgenden Begegnungen Gorbatschows (jetzt bereits in der Funktion des Generalsekretärs der KPdSU) mit den US-Präsidenten Ronald Reagan in Reykjavik im Oktober 1986 und George Bush sen. Ende 1989 auf Malta sowie der immer weitergehenden Aufgabe sowjetischer Verteidigungspositionen.

    Als Resümee der Beziehungen Gorbatschows zum Westen heißt es: "In den sechs Jahren als Generalsekretär traf sich Gorbatschow elf Mal mit den Präsidenten der USA. Im Ergebnis der in vielem einseitigen Zugeständnisse brach die Berliner Mauer, wurden die Warschauer Vertragsorganisation, die Gemeinschaft sozialistischer Staaten und die Sowjetunion selbst zerstört. Unter den Klängen eines Orchesters, das der besoffene Jelzin dirigierte, verließen die Truppen schmachvoll ihre Militärbasen und gingen ins Nichts, auf leere Felder mit Zelten. Das war das schändliche Ergebnis der Übereinkunft Gorbatschows mit seinem Freund Helmut Kohl in seinem kaukasischen Jagdhaus."

    Und weiter: "Es wäre allerdings unsinnig zu behaupten, dass die ganze Tätigkeit des Generalsekretärs und Präsidenten Gorbatschow in der internationalen Arena falsch gewesen sei. Aber der Umstand, dass sie vor allem die Interessen des Westens befriedigte und zu oft zu Lasten der UdSSR ging, ist unbestreitbar. Eine solche Politik schwächte nicht nur ihre Positionen in der internationalen Arena, sondern förderte und stärkte auch den Einfluss des Westens auf die Bevölkerung der UdSSR, die Aktivitäten der antisowjetischen, antisozialistischen Kräfte innerhalb unseres Landes und letztendlich dessen Verschwinden von der Weltkarte."

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